Nous aussi, der dritte Roman von Anne Godard, Literaturprofessorin an der Sorbonne Nouvelle, der am 19. August von Actes Sud veröffentlicht wurde, erkundet die verdrängte Erinnerung einer Familie aus dem katholischen Bürgertum des 5. Arrondissements von Paris.
Ein kollektives „Wir“, um die Illusion der Familie auszudrücken
Der Roman beginnt mit einer Ich-Erzählung im Plural, wobei dieses „Wir“ zunächst die Zugehörigkeit zu einer großen, geeinten und privilegierten Familie symbolisiert, bevor es allmählich deren Zerfall ausdrückt. Anne Godard erklärt, sie habe dieses „Eins“ als ideales Instrument gewählt, um sowohl das Kollektive als auch das Unpersönliche, die Rollenverwirrung innerhalb des Clans, sichtbar zu machen. Sie konstruiert ihren Roman wie ein Puzzle, dessen Teile erst von außen erkennbar werden, wenn man das Ganze einmal verlassen hat.
Nach einem verheerenden Ereignis, das die Familie trifft, erlangt der Erzähler allmählich die Erinnerung an ein Ereignis zurück, das Jahre zuvor stattgefunden hat, und deckt dabei ein Trauma auf, das dreißig Jahre lang unter der Illusion sozialer Perfektion vergraben war.
Eine außergewöhnliche Autorin, zehn Jahre nach ihrem vorherigen Roman
Dieser dritte Text folgt auf *L’Inconsolable*, das 2006 bei Minuit erschien und mit dem RTL-Lire Grand Prize ausgezeichnet wurde, und auf *Une chance folle* aus dem Jahr 2017, ebenfalls bei Minuit. Das gesamte Werk von Anne Godard, Professorin für Literatur und Kreatives Schreiben, kreist um das Thema der Selbstfindung durch die fortschreitende Dekonstruktion der in der Kindheit ererbten Familienerzählung.
Nous aussi ist Teil einer Literatursaison 2026, die neben anderen mit Spannung erwarteten Titeln wie Le Palais von François-Henri Désérable oder L'Inconnue du quai de Javel von Philippe Jaenada 461 neue Romane umfasst.
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