POLITISCH Internationale

Frankreich-Saudi-Arabien: Im Senat verteidigt Nathalie Goulet eine strategische Annäherung zwischen Paris und Riad.

Frankreich-Saudi-Arabien: Im Senat verteidigt Nathalie Goulet eine strategische Annäherung zwischen Paris und Riad.
Frankreich-Saudi-Arabien: Im Senat verteidigt Nathalie Goulet eine strategische Annäherung zwischen Paris und Riad.

Die Annäherung zwischen Frankreich und Saudi-Arabien beschränkt sich nicht mehr auf Investitionen und Großaufträge. Bei einem Treffen im französischen Senat unter der Leitung von Senatorin Nathalie Goulet wurden die Beziehungen zwischen Paris und Riad in ihren politischen, diplomatischen, wirtschaftlichen und strategischen Dimensionen erörtert. Im Mittelpunkt der Gespräche standen dabei mehrere regionale Themen: Iran, Gaza, das Westjordanland, Syrien, Libanon und Jemen. Das Treffen folgte unmittelbar auf den Staatsbesuch des saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman in Frankreich und die mit Emmanuel Macron verkündeten Abkommen und gemeinsamen Erklärungen. Faisal J. Abbas, Chefredakteur von Arab News , der die saudische Delegation nach Frankreich begleitet hatte, stellte die wichtigsten Themen dieser neuen Phase der französisch-saudischen Beziehungen vor. Auch der ehemalige französische Botschafter in Saudi-Arabien, François Gouyette, nahm an der Diskussion teil.

Nathalie Goulet im Mittelpunkt der Diskussionen im Senat

Senatorin Nathalie Goulet aus Orne leitete die Gespräche über die französisch-saudischen Beziehungen, die sich in den letzten Jahren deutlich intensiviert haben. Für Faisal J. Abbas belegen die Ankündigungen während des Besuchs von Mohammed bin Salman diese Annäherung eindeutig. Er wertete die getroffenen Entscheidungen als Bestätigung der wachsenden Übereinstimmung zwischen Paris und Riad und gleichzeitig als Stärkung der strategischen Position Frankreichs. Im Zentrum dieser Zusammenarbeit steht nun der französisch-saudische Strategische Partnerschaftsrat, der die Beziehungen zwischen den beiden Ländern strukturieren soll. François Goulet nannte drei Hauptbereiche: die Krisen im Nahen Osten, insbesondere im Hinblick auf den Iran, den Krieg im Gazastreifen und die Lage im Westjordanland, sowie die Vertiefung der bilateralen Beziehungen, insbesondere im Hinblick auf Al-Ula.

Iran: Paris und Riad bevorzugen den diplomatischen Weg

Die Lage im Iran spielte in den Diskussionen eine zentrale Rolle. Faisal J. Abbas plädierte für eine diplomatische Lösung und argumentierte, eine neue militärische Konfrontation hätte weitreichende Folgen, die weit über die Grenzen des Nahen Ostens hinausgingen, insbesondere für die Weltwirtschaft. „Priorität hat eine diplomatische Lösung “, erklärte er und fasste die Eskalationsgefahr zusammen: „Einen Krieg zu beginnen ist einfach, ihn zu beenden nicht.“ Ziel sei es daher, der Diplomatie das letzte Wort zu geben und eine Ausweitung des Konflikts zu verhindern, die die Region weiter destabilisieren könnte.

Gaza und Palästina: Die Zwei-Staaten-Lösung wird bekräftigt

Die Palästinafrage stellt einen weiteren gemeinsamen Nenner zwischen Frankreich und Saudi-Arabien dar. Faisal J. Abbas bekräftigte, dass „die Zwei-Staaten-Lösung die einzige Lösung ist “ und hob die Rolle von Paris und Riad bei der Förderung dieser diplomatischen Perspektive hervor. Diese Abstimmung in der Palästinafrage hat sich neben den Gesprächen über den Gaza-Krieg und die Lage im Westjordanland zu einem der wichtigsten politischen Bestandteile der Annäherung zwischen den beiden Ländern entwickelt.

Syrien: „Syrien verdient eine Chance“

Syrien wurde auch als Beispiel für die wachsende Zusammenarbeit zwischen Paris und Riad angeführt. Im Mittelpunkt der Gespräche standen insbesondere der trilaterale Rahmen zwischen Frankreich, Saudi-Arabien und Syrien sowie die Unterstützung für den syrischen Präsidenten Ahmed Al-Sharaa. Faisal J. Abbas fasste diese Position kurz zusammen: „Syrien verdient eine Chance.“ Auch der Libanon zählt zu den gemeinsamen Prioritäten. Frankreich unterstützt weiterhin die Stabilität des Landes. Regionale Sicherheitsfragen, Angriffe auf Staaten des Golf-Kooperationsrats und Bedrohungen der Schifffahrtsfreiheit in der Straße von Hormus wurden als besorgniserregende Punkte angesprochen.

22 Abkommen und bis zu 6 Milliarden Euro an potenziellen Investitionen

Die französisch-saudische Annäherung hat auch eine bedeutende wirtschaftliche Dimension. Während des Besuchs von Mohammed bin Salman wurden insgesamt 22 Absichtserklärungen und andere Abkommen in verschiedenen Sektoren unterzeichnet. Zu den angekündigten Projekten gehört ein Themenparkprojekt in Frankreich. Das gesamte Investitionspotenzial der vorgestellten Projekte wird auf rund 6 Milliarden Euro geschätzt. Diese Investitionen könnten bis zu 22.000 Arbeitsplätze schaffen. Die Diskussionen im Senat unterstrichen eine Beziehung, die nun in beide Richtungen funktioniert: Französische Unternehmen setzen ihre Expansion in Saudi-Arabien fort, während saudisches Kapital eine zunehmend wichtige Rolle bei Investitionen in Frankreich spielt.

Jemen: Riad will nun „den Krieg beenden“

Die Lage im Jemen wurde ebenfalls ausführlich erörtert. Faisal J. Abbas erinnerte daran, dass Saudi-Arabien bereits vor rund zehn Jahren, insbesondere gegenüber der Obama-Regierung, vor der von den Huthis ausgehenden Bedrohung gewarnt hatte. Zehn Jahre später stellen sie immer noch eine Bedrohung dar, nicht nur für die Region, sondern für die ganze Welt“, erklärte er. Saudi-Arabien habe den Jemen insbesondere durch militärische Ausbildung und den Austausch von Geheimdienstinformationen unterstützt. Die Priorität liege nun aber auf der Beendigung des Konflikts. „Die Priorität liegt heute darin, den Krieg zu beenden “, betonte Faisal J. Abbas. Die Gespräche hoben zudem die strategische Bedeutung der Meerenge Bab al-Mandab im Vergleich zur Straße von Hormus hervor, deren Störung besonders gravierende Folgen für die Weltwirtschaft hätte.

Nathalie Goulet betont das Image Saudi-Arabiens bei Investoren

Neben den regionalen Krisen hob Nathalie Goulet auch ein unmittelbar wirtschaftliches Thema hervor: das internationale Image des Königreichs. Für die Senatorin hängt das Vertrauen der Investoren auch vom Ruf eines Landes sowie seinem wirtschaftlichen und regulatorischen Umfeld ab. Sie betonte insbesondere Saudi-Arabiens positive Stellung bei der Financial Action Task Force (FATF), der internationalen Organisation zur Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung. „Um Wirtschaft zu fördern, muss man ein sicheres Umfeld gewährleisten “, unterstrich sie. Auch der soziale Wandel im Königreich, insbesondere die wachsende Rolle der Frauen in Gesellschaft und Wirtschaft, wurde thematisiert.

Ein weiteres Bild der arabischen Welt

Faisal J. Abbas plädierte dafür, die arabische Welt nicht länger nur auf Kriege und Krisen zu reduzieren, die regelmäßig die internationale Medienberichterstattung dominieren. „Die arabische Welt darf nicht ausschließlich durch die Linse von Kugeln und Bomben betrachtet werden “, erklärte er. Die wirtschaftlichen und sozialen Transformationen, die Saudi-Arabien im Rahmen der Vision 2030 angestoßen hat, spielen daher eine zunehmend wichtige Rolle in der internationalen Strategie des Königreichs. Diese Ansicht deckt sich mit den kürzlich von Nathalie Goulet geäußerten Positionen zu den Transformationen Saudi-Arabiens und den damit verbundenen wirtschaftlichen Chancen.

Nathalie Goulet schlägt die Gründung eines französisch-saudischen Presseclubs vor.

Die Sitzung im Senat konzentrierte sich schließlich auf die Rolle der Medien bei der Gestaltung der Wahrnehmung Saudi-Arabiens und der arabischen Welt im Allgemeinen. Faisal J. Abbas hob insbesondere die Entwicklung mehrsprachiger Inhalte und den Einsatz künstlicher Intelligenz hervor, um die internationale Reichweite regionaler Medien zu vergrößern. Die Zugänglichkeit dieser Inhalte garantiere jedoch nicht deren Verbreitung. Faisal J. Abbas fasste dies mit dem Ausdruck zusammen: „Man kann ein Pferd zwar zum Wasser führen, aber man kann es nicht zum Trinken zwingen.“ Nathalie Goulet schlug ihrerseits die Gründung eines französisch-saudischen Presseclubs vor , der den Austausch zwischen französischen und saudischen Journalisten und Medienschaffenden stärken soll.

Von der wirtschaftlichen Zusammenarbeit zur umfassenden strategischen Partnerschaft

Das Treffen im Senat bestätigte vor allem die deutliche Ausweitung der Beziehungen zwischen Paris und Riad. Investitionen und Handel bleiben unerlässlich, gehen aber nun mit einer diplomatischen Koordination in den zentralen Krisen des Nahen Ostens einher. Iran, Palästina, Gaza, Syrien, Libanon und Jemen sind zu Schlüsselthemen geworden, bei denen die beiden Hauptstädte ihre Positionen angleichen wollen. Hinzu kommen Kulturaustausch, AlUla, Investitionen, Saudi-Arabiens wirtschaftlicher Wandel und nun auch der Austausch in den Medien. Die Beziehungen zwischen Frankreich und Saudi-Arabien gehen damit zunehmend über den Rahmen traditioneller bilateraler Zusammenarbeit hinaus und entwickeln sich zu einer wesentlich umfassenderen strategischen Partnerschaft.

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