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Überschwemmungen in Nepal und Tibet: Hunderte Tote und fast tausend Vermisste

Überschwemmungen in Nepal und Tibet: Hunderte Tote und fast tausend Vermisste
Überschwemmungen in Nepal und Tibet: Hunderte Tote und fast tausend Vermisste

Ein Gletschereinsturz am Mittwoch an der Grenze zwischen Nepal und Betina verursachte verheerende Überschwemmungen, bei denen mindestens 389 Menschen auf nepalesischer Seite ums Leben kamen und mehr als tausend Menschen zwischen Nepal und China vermisst werden.

Die Rettungskräfte setzten ihre Arbeit am Freitag an der Grenze zwischen Nepal und Tibet fort, einen Tag nach der Katastrophe, die Dörfer verwüstete, Straßen wegspülte und ganze Gebäude unter einer Schlamm- und Gerölllawine zerstörte. Die nepalesische Polizei bestätigte mindestens 389 Todesopfer, darunter 64 im Distrikt Chitwan und 26 in Nawalparasi Ost. Die nepalesische Katastrophenschutzbehörde meldete am Donnerstagabend 910 Vermisste, darunter 517 ausländische Staatsangehörige, 44 Militärangehörige und 28 Polizisten.

Auf chinesischer Seite meldete der staatliche Fernsehsender CCTV, dass im Kreis Gyirong in Tibet 558 Menschen vermisst werden, darunter 260 Ausländer. Die offizielle Zahl der Todesopfer in China lag bei drei.

Anders als zunächst berichtet, wurde die Katastrophe nicht durch ein Erdbeben verursacht. Der US-amerikanische Geologische Dienst (USGS) stellte klar, dass die Katastrophe auf einen Gletscherbruch zurückzuführen war: den Zerfall eines Gletschers oder eines Teils davon. Der Aufprall der Eismasse am Talgrund erzeugte Erschütterungen der Stärke 5,2, was zunächst zu Spekulationen über ein Erdbeben führte. Die Trümmer verursachten dann laut USGS flussabwärts katastrophale Auswirkungen.

Simon Cook, Dozent für Glaziologie an der Universität Dundee, gab an, sein Team habe den Einsturz des unteren Teils eines Gletschers nahe des Langtang Lirung Peak, etwa 15 Kilometer westlich des Überschwemmungsgebietes, festgestellt. Er erklärte: „Permafrost hält einige Berghänge teilweise zusammen, und dieser Permafrost erwärmt sich, taut auf und zersetzt sich, was zu weiteren Erdrutschen führen wird.“ Mike Searle, Professor für Geowissenschaften an der Universität Oxford, vermutet, dass der Gletscher bereits Stunden oder Tage vor dem Eintreffen der Überschwemmungen in Nepal und Tibet eingebrochen sein könnte, da sich das Wasser hinter einem natürlichen Damm gestaut und dann plötzlich hervorgebrochen war.

Ein Erdrutsch fegte durch Städte im Norden Nepals, insbesondere in der Region Nuwakot, und riss Gebäude, Fahrzeuge und Infrastruktur mit sich. Bilder zeigen den Grenzposten Rasuvagadhi, ein mehrstöckiges Gebäude, das von der Schlamm- und Wasserwand aus der Trishuli-Schlucht verschüttet wurde. Auch von den Flüssen Bhote Koshi und Narayani wurden schwere Überschwemmungen gemeldet.

Das Internationale Zentrum für Integrierte Gebirgsentwicklung (ICIMOD) hat vor der Gefahr von Folgeüberschwemmungen in den kommenden Tagen gewarnt. Die Organisation prüft, ob der Fluss Trishuli an seinen engsten Stellen vorübergehend blockiert ist, wodurch sich ein Geröllstau gebildet haben könnte, der unter Umständen plötzlich brechen könnte.

Das nepalesische Tourismusbüro meldete am Donnerstag, dass 644 ausländische Touristen vermisst werden, darunter 33 britische Staatsangehörige, darunter ein 13-jähriges Mädchen und ein 14-jähriger Junge. Die am häufigsten vertretenen Nationalitäten unter den Vermissten sind Inder (288), Chinesen (fast 100), Amerikaner (65), Ukrainer (53), Malaysier (51), Australier (34) und Kanadier (24). Auch Staatsangehörige Südkoreas, Südafrikas, Portugals, der Niederlande und Neuseelands werden gesucht. Der Grenzübergang Gyirong ist der wichtigste Einreisepunkt zwischen China und Nepal für Touristen.

Der nepalesische Premierminister Balendra Shah erklärte, die gesamte Nation sei schockiert und tief betroffen. Er werde die Hilfsmaßnahmen mit Peking abstimmen. Der chinesische Präsident Xi Jinping ordnete eine umfassende Suchaktion an und versprach, die Überwachungs- und Frühwarnsysteme zu verstärken. UN-Generalsekretär António Guterres drückte sein Beileid aus und kündigte die Mobilisierung von Einsatzteams und Hilfsgütern vor Ort an. Die Vereinigten Staaten sagten 500.000 US-Dollar humanitäre Hilfe zu, während Großbritannien der nepalesischen Regierung 5 Millionen Pfund Sterling anbot. Auch Indien erklärte sich bereit, jegliche humanitäre Hilfe zu leisten.

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