Franceinfo präsentiert am Montag, den 31. August, sein neues Studio und seinen neuen Regieraum. Doch die neue Sendesaison, die die Erneuerung des öffentlich-rechtlichen Nachrichtensenders markieren soll, geht mit einer Sparmaßnahme einher, die die Gewerkschaft CGT verärgert hat: die fast vollständige Abschaffung des Make-ups für die Gäste. Die Entscheidung wurde den Mitarbeitern am Donnerstag, den 27. August, mitgeteilt.
Mehr Make-up für die meisten Gäste
Ab Montag, dem 31. August, werden Gäste von Franceinfo nicht mehr automatisch vor ihrer Sendung geschminkt. Diese Praxis hatte der öffentlich-rechtliche Sender bisher beibehalten, im Gegensatz zu den großen privaten Nachrichtensendern, die seit der Covid-19-Pandemie weitgehend auf das Make-up ihrer Gäste verzichtet haben. Mit dieser Maßnahme will Franceinfo seinem Programm ein frischeres Erscheinungsbild verleihen. Das neue Setdesign soll eine umfassendere Weiterentwicklung des Senders unterstützen, der sich reaktionsschneller und einprägsamer präsentieren möchte. Die Geschäftsführung hatte sich über den Sommer auf diese Umgestaltung vorbereitet, unter anderem mit mehrwöchigen Proben und Testsendungen vor dem Start der neuen Saison.
Eine Ausnahme gilt für politische Führungskräfte
Ganz verschwinden wird das Make-up jedoch nicht. Laut den den Mitarbeitern mitgeteilten Bedingungen gilt eine Ausnahme für Politiker, die zur Morgensendung und zur 18-Uhr-Sendung eingeladen sind. Sie werden weiterhin von professionellen Visagisten betreut. Diese Ungleichbehandlung wird von der Gewerkschaft CGT France Télévisions in ihrer Pressemitteilung hervorgehoben. Die Gewerkschaft kritisiert eine Maßnahme, die die betroffenen Fachkräfte direkt benachteiligt und ihre Arbeitsbelastung verringert.
Ein Urlaubstag storniert
Hinter dem Wegfall des Make-ups für viele Gäste verbirgt sich eine Reduzierung der Arbeitszeit. Laut der Gewerkschaft CGT bedeutet die neue Organisation „eine Schicht weniger pro Tag im Servicebereich “, insbesondere die Abendschicht. Die Gewerkschaft betont, dass diese Reduzierung für einige Angestellte zum Verlust variabler Vergütungsbestandteile führt. Auch Freiberufler sind betroffen, da die geringere Anzahl an Schichten automatisch weniger Arbeitstage bedeutet. Die CGT ist daher der Ansicht, dass die Einsparungen von Franceinfo direkt die Visagisten treffen – eine Branche, die bereits von mehreren Umstrukturierungen bei France Télévisions betroffen ist.
Die CGT befürchtet zudem eine Verschlechterung der Übertragungsqualität.
Die Gewerkschaft beschränkt ihre Kritik nicht auf die sozialen Folgen. Sie befürchtet, dass das fehlende Make-up vieler Gäste auch zu einer „minderwertigen Fernsehpräsentation “ führen wird. Die Gewerkschaft CGT sieht darin zudem „ein weiteres Zeichen für die Übernahme des BFM-Modells auf Kanal 16“. Diese Befürchtung einer „BFM-isierung“ von Franceinfo wurde intern bereits in den letzten Monaten geäußert. Während einer Betriebsratssitzung im Juni verteidigte die neue Geschäftsleitung einen anderen Ansatz und erklärte insbesondere, sie wolle sich stärker an der Arbeitsweise von Franceinfo orientieren.
„Die Gäste bevorzugen in erster Linie den öffentlich-rechtlichen Rundfunk.“
Die Gewerkschaft CGT bringt zudem ein unerwartetes Argument vor: Der bisherige Make-up-Service sei für Franceinfo ein Vorteil gewesen, um Gäste für die Sendung zu gewinnen. Laut Gewerkschaft hätten Fachleute der Geschäftsleitung erklären können, dass die Verfügbarkeit dieses Services einer der Gründe sei, warum manche Gäste „wenn möglich den öffentlich-rechtlichen Rundfunk bevorzugen “ . Die CGT befürchtet daher, dass die erzielten Einsparungen auch die Attraktivität des Senders für seine Gäste beeinträchtigen könnten.
Die CGT fordert France Télévisions zum Einlenken auf.
Die Gewerkschaft fordert nun offiziell die Rücknahme der Maßnahme. Sie appelliert an die Geschäftsleitung von France Télévisions, „diese Entscheidung zu überdenken “, da sie diese für unvereinbar mit der angekündigten Erneuerung von Franceinfo hält. Die Kontroverse entbrennt zu einem Zeitpunkt, an dem der öffentlich-rechtliche Sender große Hoffnungen in sein Herbstprogramm setzt. Nach mehrwöchiger Vorbereitung präsentiert Franceinfo am Montag sein neues Erscheinungsbild, bevor der Sender am 1. September sein zehnjähriges Jubiläum feiert. Das neue Design sollte den Wandel des Senders symbolisieren. Die Frage des neuen Looks ist nun zu einem zentralen Streitpunkt für die kommende Herbstsaison geworden.
