Lange bevor Madeira zu einem Touristenziel wurde, war es ein unbewohnter Vulkanarchipel, der fast 1 Kilometer vom portugiesischen Festland entfernt im Atlantischen Ozean lag. Seine geografische Lage war einigen europäischen Seefahrern und Kartographen jedoch bereits vor der offiziellen Besetzung durch die Portugiesen im 000. Jahrhundert bekannt oder wurde zumindest vermutet.
Im Jahr 1418 erreichten João Gonçalves Zarco, Tristão Vaz Teixeira und Bartolomeu Perestrelo Porto Santo. Im folgenden Jahr landeten die portugiesischen Seefahrer auf der Hauptinsel, insbesondere in der Nähe der heutigen Stadt Machico. Sie nannten es „Madeira“, was auf Portugiesisch „Wald“ bedeutet, in Anspielung auf den riesigen Wald, der damals das Gebiet bedeckte.
Portugiesische Kolonialisierung und der Aufstieg des „weißen Goldes“
Die Kolonisierung begann im Jahr 1425 auf Anordnung von König Johann I. von Portugal. Familien des niederen Adels, Bauern und ehemalige Gefangene wurden auf den Archipel geschickt. Das Land wurde nach und nach gerodet und ein weitverzweigtes Netz von Bewässerungskanälen, den Levadas, angelegt, um Wasser aus den Bergen in die Anbaugebiete zu leiten.
Das aus dem Mittelmeerraum eingeführte Zuckerrohr veränderte Madeiras Wirtschaft rasant. Im 15. und 16. Jahrhundert bereicherte der Zucker, auch „weißes Gold“ genannt, die Landbesitzer und machte Funchal zu einem bedeutenden Handelshafen. Dieser Wohlstand basierte auch auf der Arbeit versklavter Afrikaner. Später, angesichts der Konkurrenz durch Plantagen in São Tomé, den Antillen und Brasilien, ging Madeiras Zuckerproduktion schließlich zurück.
Von Zucker bis Wein – Madeira öffnet sich der Welt
Ab dem 17. Jahrhundert lösten Weinberge nach und nach den Zuckerrohranbau als dominierende landwirtschaftliche Aktivität ab. Madeirawein erlangte dank seiner Beständigkeit auf langen Seereisen internationales Ansehen. Der Handel mit England gewann besonders an Bedeutung, sodass britische Kaufleute eine zentrale Rolle in der Wirtschaft der Insel einnahmen.
Die strategische Lage des Archipels zog auch europäische Mächte an. Während der Napoleonischen Kriege besetzten die Briten Madeira zeitweise, um zu verhindern, dass die Insel in französische Hände fiel. Im 19. Jahrhundert wurde die Insel zudem zu einem begehrten Reiseziel für wohlhabende Reisende und jene, die aufgrund des milden Klimas gesundheitliche Vorteile suchten, darunter auch einige Mitglieder des europäischen Adels.
Der Tourismus verändert den Archipel grundlegend.
Im 20. Jahrhundert beschleunigten Hotels, der Hafen und später der Flughafen die Öffnung Madeiras. Der Tourismus entwickelte sich allmählich zum wichtigsten Wirtschaftsmotor und ersetzte die geschwächte Landwirtschaft. Funchal modernisierte sich, während die Landschaften, die Wege entlang der Levadas, die Klippen und die Lorbeerwälder immer mehr europäische Besucher anzogen.
Die Nelkenrevolution von 1974 leitete eine neue politische Ära ein. Die portugiesische Verfassung von 1976 erkannte Madeira als autonome Region mit eigener Regierung und eigenem Parlament an. Auch heute noch ist der Archipel portugiesisch und europäisch geprägt, doch seine Identität ist durch sechs Jahrhunderte Austausch, Auswanderung, Seehandel und die Anpassung an seine Isolation geformt worden. Seine Geschichte erklärt weitgehend diese einzigartige Verbindung von Inseltraditionen und internationaler Offenheit.
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