Während Millionen von Schülern wieder zur Schule gehen, bleiben einige Kinder mit Behinderungen auf der Strecke. Grund dafür ist der Mangel an spezialisierten Förderern, den sogenannten AESH (Begleitern für Schüler mit Behinderungen), die für eine angemessene Bildung unerlässlich sind. Hinter der Rhetorik von inklusiver Bildung verbirgt sich die Realität: Mehr als jedes zehnte Kind mit Behinderung geht nicht zur Schule, und diejenigen mit Behinderung müssen sich oft mit eingeschränkter Unterstützung begnügen.
Rechte anerkannt, aber selten angewendet
Der Verwaltungsprozess ist klar geregelt: Das MDPH (Departmental House for People with Disabilities) erkennt die Behinderung an, weist die Unterstützung zu, und die Bildungsbehörde ist für die Umsetzung verantwortlich. Doch in der Praxis bricht dieser Mechanismus zusammen. Mittelschüler, die eigentlich Vollzeit-AESH erhalten sollten, müssen sich ihre Betreuungskraft nun mit anderen Schülern teilen, manchmal sogar in anderen Klassen. An manchen Schulen soll eine einzige Fachkraft rund zehn Kinder betreuen, die dennoch dauerhaft Hilfe benötigen. Familien prangern diese unhaltbare Situation an und sind bereit, rechtliche Schritte einzuleiten.
Gerechtigkeit als letztes Mittel
Da das Bildungsministerium keine Antworten erhält, wenden sich immer mehr Eltern an die Verwaltungsgerichte. In Paris, Melun und Cergy wurden bereits summarische Verfahren eingeleitet, und weitere in mehreren Departements, von Seine-Saint-Denis bis Réunion, werden folgen. Das Ziel: Die Einrichtungen sollen gezwungen werden, die Bescheide des MDPH umzusetzen. Hinter den Gerichtsverfahren steht derselbe Ärger: die Wut darüber, für ein theoretisch garantiertes Recht kämpfen zu müssen. Diese Beobachtung ist seit Jahren bekannt. Umfragen zeigen, dass sich die Schulbildung von Kindern mit Behinderungen in zwanzig Jahren verdreifacht hat, ohne dass entsprechende Mittel zur Verfügung stehen. Der Beruf des AESH ist nach wie vor prekär und schlecht bezahlt, was Bewerber abschreckt. Die Folge: Zu Beginn jedes Schuljahres wird das Versprechen der Inklusion zu einem Hindernislauf. Und für viele Familien beginnt die Schule eher mit einem Rechtsstreit als mit einem neuen Schulranzen.