NAIROBI, 5. Juni 2025 – Die Africa Finance Corporation (AFC) forderte die afrikanischen Regierungen am Donnerstag dazu auf, rund 4 Billionen US-Dollar an lokal verfügbarem Kapital – gehalten von inländischen Institutionen wie Pensionsfonds, Staatsfonds und Banken – zu erschließen, um die Infrastruktur des Kontinents zu finanzieren, da die externe Finanzierung schwindet.
In einem heute veröffentlichten Bericht betont die AFC, dass die notwendigen Investitionen in Schienennetze, Energie und kritische Infrastrukturen nicht mehr ausschließlich auf traditionellen Quellen wie der öffentlichen Entwicklungshilfe oder ausländischen Direktinvestitionen beruhen können, die im gegenwärtigen globalen Wirtschaftskontext als „zunehmend unzureichend“ angesehen werden.
Die Verschärfung der internationalen Finanzierungsbedingungen, eine Verlangsamung der Geberhilfe und die zunehmende protektionistische Politik in den Industrieländern verschärfen die Situation. Laut AFC erfordert dies, dass Afrika eine eigenständigere und widerstandsfähigere Finanzierungsstrategie entwickelt.
Trotz dieser Herausforderungen sieht die AFC enormes lokales Potenzial. Sie schätzt, dass derzeit vier Billionen Dollar in kurzfristigen Instrumenten – insbesondere auf den Geldmärkten – gebunden sind, da gesetzliche Beschränkungen deren Nutzung für langfristige Investitionen wie Infrastrukturprojekte verhindern.
Um diese Ressourcen freizusetzen, empfiehlt der Bericht:
- Regulierungsreformen Pensionsfonds und Banken können sich an der Finanzierung langfristiger Infrastruktur beteiligen.
- Eine Modernisierung der informellen Wirtschaft, immer noch wenig besteuert und kaum in die offiziellen Finanzsysteme integriert.
- Ein Anstieg der Sparquoten, heute deutlich niedriger als in den asiatischen Ländern.
Der AFC weist außerdem darauf hin, dass die Staatshaushalte afrikanischer Länder zunehmend durch die wachsende Last des Schuldendienstes belastet sind, was ihre Fähigkeit zur Finanzierung notwendiger Investitionen einschränkt.
Schließlich unterstreicht der Bericht das Ausmaß der Herausforderung: Die Afrikanische Entwicklungsbank, einer der Anteilseigner der AFC, schätzt, dass der Kontinent ein jährliches Defizit von über 400 Milliarden Dollar bewältigen muss, um seinen Strukturwandel bis 2030 sicherzustellen. Das entspricht etwa 14 Prozent des prognostizierten BIP des Kontinents.
Für die AFC ist die Mobilisierung nationaler Ersparnisse zur Strukturierung von Projekten keine Option mehr, sondern eine strategische Notwendigkeit.