Acht Monate vor der Präsidentschaftswahl 2027 fällt Vincent Bolloré angeblich besonders harte Urteile über einige der aussichtsreichsten Kandidaten für den Élysée-Palast. Marine Le Pen wird als „wirtschaftlich ungebildet “, Bruno Retailleau als „nicht kompetent “, Édouard Philippe als „nur ein Macron minus eins“ und Éric Zemmour als „realitätsfern“ bezeichnet. Diese Bemerkungen sind besonders brutal, vor allem, da der Industrielle Sarah Knafo offenbar deutlich mehr Aufmerksamkeit schenkt.
Marine Le Pen, „wirtschaftlich Analphabetin“
Die schärfste Kritik traf Marine Le Pen. Vincent Bolloré soll die Kandidatin des Rassemblement National (RN) unter vier Augen als „wirtschaftlich ungebildet “ bezeichnet haben. Diese Bemerkung war besonders verletzend, da die RN-Kandidatin kurz zuvor ihre Wirtschaftspolitik in der ersten großen Präsidentschaftsdebatte im Rahmen des Medef (Französischer Unternehmerverband) verteidigt hatte. Marine Le Pen versprach insbesondere Einsparungen in Höhe von 125 Milliarden Euro und sprach sich für eine Senkung der Produktionssteuern sowie eine Politik der Bevorzugung nationaler Unternehmen bei der öffentlichen Auftragsvergabe aus.
Bruno Retailleau „nicht genug ausgeschnitten“ für den Élysée-Palast
Bruno Retailleau kann auch Vincent Bolloré nicht überzeugen. Der Präsident der Republikaner hat sich mit dem Geschäftsmann getroffen, insbesondere in der Vendée. Doch das Urteil über den Industriellen ist eindeutig: Der ehemalige Innenminister gilt als „nicht ausreichend qualifiziert“, um in den Élysée-Palast einzuziehen. Diese Einschätzung fällt in eine Zeit, in der Retailleau eine zentrale Rolle im Präsidentschaftswahlkampf einnimmt und eine radikale Wirtschaftspolitik befürwortet, die unter anderem die Möglichkeit für Unternehmen vorsieht, von der 35-Stunden-Woche abzuweichen.
Édouard Philippe, einfach „ein Macron weniger“
Auch Édouard Philippe bekommt die Kritik Vincent Bollorés zu spüren. Der ehemalige Premierminister wird mit einem besonders vernichtenden Satz zusammengefasst: „Ein Macron weniger .“ Damit wird der Kandidat der Partei Horizonte als bloße Verlängerung des amtierenden Präsidenten der Republik dargestellt, dem die Qualitäten fehlen, die Emmanuel Macron 2017 zum Wahlsieg verhalfen. Dabei versucht Édouard Philippe seit Jahren, seinen eigenen Weg zu gehen und sprach sich zuletzt für eine deutliche Senkung der Produktionssteuern im Gegenzug für eine Reduzierung der staatlichen Subventionen für Unternehmen aus.
Eric Zemmour ist Berichten zufolge nun nicht mehr auf Sendung.
Der wohl auffälligste Fall ist der von Éric Zemmour. Vincent Bolloré soll die Zusammenarbeit mit dem Vorsitzenden der Reconquête-Partei abgebrochen haben, dessen Medienpräsenz seit 2019, als er täglicher Kommentator bei CNews wurde, deutlich zugenommen hatte. Zemmour, der bei der Präsidentschaftswahl 2022 kandidierte und im ersten Wahlgang 7,07 % der Stimmen erhielt, gilt weiterhin als potenzieller Kandidat für 2027, doch seine Position ist durch den politischen Aufstieg von Sarah Knafo geschwächt.
Sarah Knafo scheint bei Bolloré in guter Gunst zu stehen.
Hinter der Kritik an den anderen Kandidaten sticht ein Name besonders hervor: Sarah Knafo. Die Europaabgeordnete der Partei Reconquête scheint bei Vincent Bolloré deutlich mehr Wohlwollen zu genießen. Dies wirft unweigerlich Fragen nach ihrer Rolle bei der nächsten Präsidentschaftswahl auf. Seit Monaten arbeitet die Abgeordnete daran, ihr Image in den Bereichen Wirtschaft, Haushalt und Ausgabenkürzungen zu stärken. Ob sie kandidieren wird, ist jedoch weiterhin ungewiss. Sarah Knafo hatte eine Kandidatur für 2027 öffentlich ausgeschlossen und Éric Zemmour die Entscheidung über die Präsidentschaftsstrategie von Reconquête überlassen. Seitdem hat sich das Machtverhältnis weiter verschoben. Zemmour gilt nach wie vor als der naheliegende Kandidat seiner Partei, doch die Möglichkeit einer Kandidatur Knafos ist durchaus denkbar.
Bolloré verteilt Strafpunkte an die Rechte.
Der 74-jährige Vincent Bolloré bekleidet seit 2022 keine operative Funktion mehr an der Spitze seiner Partei, doch sein Einfluss auf die französische Medien- und Kulturlandschaft ist nach wie vor beträchtlich. Seine Beziehungen zu Politikern, insbesondere aus dem rechten Spektrum, stehen daher im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen weiterhin unter Beobachtung. Die ihm zugeschriebenen Urteile sind bemerkenswert hart: Marine Le Pen gilt als „wirtschaftlich ungebildet “, Bruno Retailleau als „ nicht scharfsinnig genug“ , Édouard Philippe als „weniger Macron“ und Éric Zemmour als „realitätsfern“. Inmitten dieser Kritikflut scheint Sarah Knafo derzeit diejenige zu sein, die Vincent Bollorés besondere Aufmerksamkeit genießt.