Justizminister Gérald Darmanin sandte einen Brief an seinen Amtskollegen im Innenministerium, Laurent Nuñez, in dem er gravierende Mängel bei den Ermittlungen zu sexueller Gewalt gegen Kinder detailliert darlegte. Das zwölfseitige Dokument vom 29. Juli listet Fälle auf, die nicht an die Gerichte verwiesen, fallen gelassen oder teilweise verloren gegangen sind.
Eines der größten Probleme ist der hohe „Phantom-Aktenrückstand“, bestehend aus Akten, die von Polizei oder Gendarmerie aufbewahrt, aber nicht der Staatsanwaltschaft gemeldet wurden. Berichten zufolge haben Staatsanwälte in Nîmes 1.275 und in Caen 905 unbekannte Fälle aufgedeckt. In Bourges sollen etwa fünfzehn Akten verloren gegangen sein.
Mehr als 85.000 Beschwerden warten noch auf ihre Bearbeitung.
Der Brief hebt zudem Personalmangel und das mitunter als unzureichend empfundene professionelle Engagement hervor, insbesondere in bestimmten Fachabteilungen. Das Innenministerium bedauert die Veröffentlichung dieses Arbeitsdokuments und erklärt, dass seine Ministerien die Ergebnisse derzeit prüfen, um Lösungen zu erarbeiten.
Diese Enthüllungen folgen auf den Fall Lyhanna, benannt nach einem elfjährigen Schulmädchen, das in der Region Gers tot aufgefunden wurde. Ihr Hauptverdächtiger wurde wegen Mordes und Vergewaltigung einer Minderjährigen unter 15 Jahren angeklagt. Im Anschluss an diese Tragödie gab Gérald Darmanin bekannt, dass noch 85.047 Anzeigen wegen sexueller Gewalt gegen Minderjährige bearbeitet werden.
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