Am Dienstag beschloss Renaissance, ihre Bemühungen zu intensivieren und ihre Absichten deutlich zu machen. Ihr Nationalrat forderte Gabriel Attal offiziell auf, seine Kandidatur für 2027 zu erklären – eine Woche nach dem Rücktritt von Élisabeth Borne vom Parteivorsitz. Die Botschaft ist klar: Im Macron-Lager, das seit der Auflösung des Parlaments 2024 und der Schwächung der Mehrheit erschüttert ist, ist die Zeit für halbe Sachen vorbei.
Hinter den Kulissen hinterließ die Borne-Affäre ihre Spuren. Die ehemalige Premierministerin hatte erklärt, sie stimme der Vorgehensweise Gabriel Attals nicht „vollkommen“ zu, da diese ihrer Ansicht nach intern „nicht unbedingt diskutiert“ worden sei, bevor sie abrupt zurücktrat. Die unmittelbare Folge: Der Nationalrat mit seinen 303 Mitgliedern wurde ausnahmsweise von der Europaabgeordneten Fabienne Keller geleitet, um die Verabschiedung eines eindeutigen Antrags zu gewährleisten.
Eine Partei, die schnell einen Anführer will.
Eine Partei, die dringend einen Vorsitzenden braucht. Das Ergebnis der Abstimmung war von vornherein klar: 221 Stimmen (91 %) forderten Attal auf, seine Kandidatur zu erklären, 22 Stimmen (9 %) sprachen sich für eine interne Vorwahl aus, 10 Stimmen enthielten sich. Der ehemalige Premierminister hat nun bis zum 1. Oktober Zeit, seine Kandidatur bekannt zu geben. Diese wird jedoch „erst nach einer in den kommenden Wochen stattfindenden Abstimmung der Parteimitglieder wirksam“, so die Partei. Politisch bedeutet das: Man drängt auf eine Symbolfigur, hält sich aber eine Verfahrenslücke offen, um die Legitimität zu sichern.
Vor Ort wartete Gabriel Attal nicht auf die offizielle Bestätigung, um sich wie ein ernstzunehmender Kandidat zu verhalten. Seit Ende April diente die Veröffentlichung seines Buches als Sprungbrett: Reisen, Signierstunden, öffentliche Veranstaltungen und eine Kundgebung in Paris am 30. Mai sind bereits geplant. In diesem Tempo zeichnet sich die „Vorkampagne“ durch eine seltene Qualität aus: Sie bezeichnet sich nicht selbst als solche, ist aber auf den ersten Blick erkennbar.
Ein großes Hindernis bleibt bestehen, selbst innerhalb des Mitte-Blocks: Édouard Philippe, der seine Kandidatur bereits Ende 2024 offiziell bekanntgegeben hat. Der Präsident von Horizons hat seine Anhänger in Reims mobilisiert und plant für den 5. Juli eine öffentliche Kundgebung in Paris, während die beiden ehemaligen Premierminister öffentlich über die Möglichkeit einer gemeinsamen Kandidatur diskutieren. Im gemäßigten rechten Spektrum ist das Spiel bekannt: Einigkeit lässt sich leicht verkünden, ist aber schwer zu erringen und hat kurz vor der Wahl oft einen hohen Preis.
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