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VAR: UEFA widersetzt sich der FIFA und will wiederholten Überprüfungen ein Ende setzen

VAR: UEFA widersetzt sich der FIFA und will wiederholten Überprüfungen ein Ende setzen
VAR: UEFA widersetzt sich der FIFA und will wiederholten Überprüfungen ein Ende setzen

Die UEFA verschärft ihre Richtlinien zum Einsatz des Video-Schiedsrichterassistenten (VAR). Der europäische Fußballverband führt „Clear Line“ ein, eine neue Plattform zur Harmonisierung von Schiedsrichterentscheidungen und zur Klarstellung, in welchen Situationen der VAR eingreifen sollte und in welchen nicht. Roberto Rosetti, UEFA-Schiedsrichterchef, unterstützt diesen Ansatz und möchte den VAR auf wirklich offensichtliche Fehler beschränken.

Mehr als 150 Schiedsgerichtsszenarien in „Clear Line“ zusammengestellt

„Clear Line“ dient als gemeinsame Referenz für europäische Schiedsrichter. Die Plattform umfasst über 150 Szenarien und bietet detaillierte Anleitungen zur Auslegung der Spielregeln und zum Einsatz von Videoanalysen. Das Tool stützt sich maßgeblich auf zahlreiche Videos und visuelle Erklärungen. Ziel ist es, die Entscheidungsgründe in komplexen oder kontroversen Situationen zu verdeutlichen. Die Plattform richtet sich nicht nur an Schiedsrichter, sondern soll auch Spielern, Trainern, Vereinen, Fans und Medien zugänglich sein. Bisher kommunizierte die UEFA mehrmals jährlich mit europäischen Schiedsrichtern, hauptsächlich über Videos, die die zu befolgenden Richtlinien erläuterten. Mit „Clear Line“ sind diese Empfehlungen nun zentral an einem Ort verfügbar, und die Plattform wird regelmäßig aktualisiert, sobald neue Situationen Klärungsbedarf aufweisen.

Die UEFA will den VAR auf „klare und offensichtliche“ Fehler beschränken.

Hinter dieser Plattform steht eine klare Vision des Video-Assistenten. Für die UEFA muss der VAR ein Instrument zur Korrektur klarer und offensichtlicher Fehler bleiben und darf nicht zu systematischen Wiederholungen führen. Diese Position wurde Ende Juli vom europäischen Fußballverband bekräftigt: Der VAR soll nur dann eingreifen, wenn eine Entscheidung auf dem Spielfeld offenkundig falsch ist oder ein Schiedsrichter einen klaren Vorfall übersehen hat. Roberto Rosetti möchte daher den Schiedsrichtern auf dem Platz mehr Verantwortung zurückgeben und die Anzahl der Videoeingriffe reduzieren : „Wir wollen Schiedsrichter mit Persönlichkeit und den VAR nur als gelegentliche Hilfe. Wir müssen den Fußball bewahren, den wir und unsere Eltern lieben.“

Ein VAR-System, das sich von dem der FIFA unterscheidet.

Die europäische Position steht im deutlichen Gegensatz zum umfassenderen Einsatz des Videobeweises (VAR) in FIFA-Wettbewerben. Die UEFA ist der Ansicht, dass die Videounterstützung strikt auf ihre ursprüngliche Philosophie beschränkt bleiben sollte: offensichtliche Fehler zu korrigieren, anstatt Bild für Bild nach dem kleinsten Detail zu suchen, das eine Entscheidung beeinflussen könnte. Roberto Rosetti kritisiert insbesondere die extrem detaillierten Überprüfungen bestimmter Spielzüge, bei denen sich die Videounterstützung auf Elemente konzentriert, die seiner Meinung nach zu unbedeutend sind, um ein Eingreifen zu rechtfertigen : „Wir sind derzeit nicht sehr zufrieden mit der Art und Weise, wie der VAR manchmal eingesetzt wird, da er sich auf mikroskopische Details konzentriert.“

Der Chef des europäischen Schiedsrichterwesens brachte seine Philosophie noch direkter auf den Punkt: „Das ist Fußball, nicht PlayStation.“

Maradonas Hand und Thierry Henrys Hand wurden als Beispiele angeführt.

Um die Rolle des VAR zu erläutern, greift Roberto Rosetti auf Vorfälle zurück, die die Notwendigkeit der Videounterstützung im Fußball besonders deutlich gemacht haben. Er nennt insbesondere Diego Maradonas berüchtigtes Handspiel gegen England im Viertelfinale der Weltmeisterschaft 1986. Der Argentinier erzielte ein Tor mit der Hand, ohne dass der Schiedsrichter das Vergehen sehen konnte. Ein weiteres Beispiel ist Thierry Henrys Handspiel gegen Irland in den WM-Qualifikations-Playoffs 2010. Diese Aktion ging William Gallas' Tor voraus, das Frankreich zur Weltmeisterschaft brachte. Laut Rosetti sollte der VAR genau solche eklatanten Fehler korrigieren, ohne jeden strittigen Vorfall in eine extrem detaillierte Videoanalyse zu verwandeln.

Die „klare Linie“ muss nun als gemeinsame Doktrin in Europa dienen.

Die UEFA beabsichtigt, diese Philosophie in ihren Wettbewerben anzuwenden und auch in den europäischen Nationalligen ein einheitliches Vorgehen zu fördern. Ziel ist eine möglichst einheitliche Auslegung strittiger Situationen, insbesondere bei Elfmetern, Handspielen und VAR-Einsätzen. Mit „Clear Line“ formalisiert der europäische Fußballverband daher einen Leitsatz: weniger Videoeinsätze, mehr Verantwortung für den Schiedsrichter und VAR-Einsatz nur bei wirklich klaren und offensichtlichen Fehlern.

Die unterschiedlichen Ansichten zur FIFA zeigen sich somit deutlich in einer der heikelsten Fragen des modernen Schiedsrichterwesens: Wie weit sollte der Videobeweis gehen, um eine auf dem Spielfeld getroffene Entscheidung zu korrigieren? Für die UEFA ist die Antwort nun klar: nicht bis hin zu „mikroskopischen“ Situationen.

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