Baptiste Rossi, 32, der mehrere Jahre als Redenschreiber für Emmanuel Macron tätig war, verlässt den Élysée-Palast, um zu France Télévisions zu wechseln. Der junge Autor wurde von Delphine Ernotte für die strategische Position des Stabschefs des Präsidenten des öffentlich-rechtlichen Senders angeworben. Er wird voraussichtlich auch dem Vorstand von France Télévisions beitreten und damit einen der engsten Vertrauten des Präsidenten in eine zentrale Position im öffentlich-rechtlichen Rundfunk rücken.
Ein Rekrutierungsprozess inmitten von Turbulenzen
Diese Personalentscheidung fällt in eine Zeit, in der sich die Amtszeit des Präsidenten dem Ende zuneigt und mehrere Mitarbeiter des Élysée-Palastes ihre berufliche Laufbahn überdenken. Sie erfolgt zudem in einer heiklen Phase für France Télévisions, die durch die Untersuchung zu Alloncle erschüttert und unter Druck gesetzt wurde. Delphine Ernottes Entscheidung, einen Redenschreiber für den Präsidenten einzustellen, wirft Fragen zum Verhältnis zwischen politischer Macht und öffentlich-rechtlichem Rundfunk auf.
Baptiste Rossi, Absolvent von Sciences Po und ENA, wurde früh von Bernard-Henri Lévy entdeckt, der ihn bei La Règle du Jeu einstellte und als „brillant“ bezeichnete. Noch vor seinem Eintritt in den Stab des Élysée-Palastes hatte er vor seinem 23. Lebensjahr zwei Romane bei Grasset veröffentlicht – ein ungewöhnlicher Werdegang im Umfeld des Präsidenten. Dieser literarische und politische Hintergrund macht ihn zu einem einzigartigen Berater, der nun die Entscheidungsprozesse eines Medienkonzerns leiten soll, der vor zahlreichen Herausforderungen steht.
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1 Kommentar
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Ich habe mir in letzter Zeit Gedanken über den Plan des Rassemblement National (RN) gemacht, der im Falle eines Wahlsiegs nicht nur das Nationale Zentrum für Film (CNC) abschaffen, sondern auch den öffentlich-rechtlichen Rundfunk privatisieren würde. Nach einigen Recherchen fand ich heraus, dass der RN nicht nur die Fernsehsender France 2, France 3, France 4 und France 5 privatisieren will – von denen einige einfach verschwinden würden (nur ARTE, Franceinfo und France 24 blieben erhalten) –, sondern auch Radio France privatisieren will. Mit Blick auf France Culture wurde mir klar, dass dies dessen vollständiges Verschwinden bedeuten würde. Welches Unternehmen würde schon einen Kulturradiosender kaufen wollen, der stundenlang Archivmaterial über das Kino der 60er-Jahre, Sendungen über die Rolle der Tiere im Mittelalter oder gar Beiträge zur Bedeutung der Entdeckung des Higgs-Bosons ausstrahlt? Und welche Werbung könnte auf einem privatisierten Kulturradiosender laufen, außer vielleicht an jedem zweiten Tag Werbung für die neuesten Romane von Virginie Grimaldi oder Guillaume Musso? Natürlich dürften die Anhänger des Rassemblement National (RN) nicht den Großteil der Hörerschaft von France Culture ausmachen; manche kennen den Sender vielleicht gar nicht. Frankreich jedoch einen Kultursender zu nehmen (ganz zu schweigen von anderen Problemen), käme mir wie ein echter Rückschritt vor. Aktuell besteht etwa ein Drittel des Programms von France Culture aus eher progressiven Inhalten – vielleicht sogar zu vielen –, aber das könnte sich ändern und angepasst werden. Jedenfalls ist klar, dass Frankreich dank des RN ein Land ohne Kultursender wäre, da Kultur offenbar nicht im Fokus des RN steht, und ganz allgemein das einzige Land ohne öffentlich-rechtlichen Rundfunk, mit allen erdenklichen Konsequenzen. Und die Art und Weise, wie der RN mit öffentlich-rechtlichem Rundfunk und Kultur umgehen will, ist insofern interessant, als sie darauf hindeutet, dass er auch in vielen anderen Bereichen zu vielen Übertreibungen greifen würde.