Der Plan, Medizinstudenten, die zum Studium an französischen Universitäten ins Ausland gegangen sind, wieder ins Land zu holen, sorgt für Aufregung. Die kürzlich vom Parlament verabschiedete Maßnahme, die vom beigeordneten Gesundheitsminister Yannick Neuder unterstützt wird, stößt bei den Dekanen der medizinischen Fakultäten, der französischen Ärztekammer und der Nationalen Vereinigung der Medizinstudenten Frankreichs (Anemf) auf entschiedenen Widerstand. Sie alle prangern eine „unfaire und ungerechte“ Entscheidung an, die das ohnehin fragile Gleichgewicht des medizinischen Ausbildungssystems gefährden würde. Jedes Jahr verlassen Tausende junger Franzosen das Land, um im Ausland, oft in Spanien, Rumänien oder Belgien, Medizin zu studieren. Der Grund: begrenzte Zulassungskapazitäten und frühes Durchfallen im französischen Auswahlverfahren. Der Minister beabsichtigt nun, ihnen eine vorzeitige Rückkehr an französische Universitäten zu ermöglichen, ohne die Praktikumsprüfung im sechsten Jahr abwarten zu müssen. Ziel ist es, das medizinische Personal in stark benachteiligten Bereichen zu stärken.
Eine Sonderbehandlung für die Reichen?
Für die Gegner legitimiert die Rückkehr von Studierenden mitten im Studium eine Umgehung des französischen Systems, die nur den wohlhabendsten Familien zugänglich ist. Ein Auslandsaufenthalt erfordert erhebliche finanzielle Mittel, was zu einem erheblichen Ungleichgewicht zu Lasten der Studierenden führt, die in den Zwängen eines starren, anspruchsvollen und extrem wettbewerbsorientierten Lehrplans verharrt haben. „Jeder Studienplatz, der einem zurückkehrenden Studierenden angeboten wird, geht zu Lasten derjenigen, die den regulären Lehrplan absolviert haben“, kritisieren die drei Organisationen in einer gemeinsamen Erklärung. Die Dekane weisen darauf hin, dass im Ausland ausgebildete Studierende bereits die Möglichkeit haben, sich im Rahmen ihres Studiums in das französische System zu integrieren. Doch die Zahlen sprechen für sich: Nur 3 % von ihnen erhalten einen Studienplatz. Diese Zahl, so die Kritiker des Projekts, verdeutlicht das heterogene und teilweise unzureichende Ausbildungsniveau.
Für manche macht dieses Projekt keinen Sinn
Angesichts der Tatsache, dass die Universitäten bereits jetzt mit dem wachsenden Zustrom an Studierenden zu kämpfen haben und fast 12 Kandidatinnen und Kandidaten für eine Facharztausbildung erwartet werden, stößt die Idee eines neuen Studiengangs auf Unverständnis. Zwar strebt die Regierung bis 000 16 Medizinstudierende an, doch Dekane halten dieses Ziel für unrealistisch, solange Infrastruktur, Ressourcen und Betreuung nicht mithalten können. Für die Befürworter des Projekts ist es angesichts der gesundheitlichen Notlage der medizinischen Wüsten vor allem eine Frage des Pragmatismus. Doch für die medizinische Welt kann es keine dauerhafte Lösung geben, die auf einem Verzicht des Grundsatzes des gleichberechtigten Studienzugangs beruht. Ein Kampf, der gerade erst beginnt.