Rumänien: Der designierte Ministerpräsident widersetzt sich seiner eigenen Partei und versucht, das Land aus der politischen Sackgasse zu führen.
Rumänien: Der designierte Ministerpräsident widersetzt sich seiner eigenen Partei und versucht, das Land aus der politischen Sackgasse zu führen.

Die rumänische politische Krise hat eine neue Wendung genommen. Adrian Vestea, der mit der Regierungsbildung beauftragt wurde, erklärte, er werde seine Mission trotz Rücktrittsforderungen aus den eigenen Reihen fortsetzen – eine Situation, die die tiefen Spaltungen innerhalb des proeuropäischen Lagers verdeutlicht.

Am Montagabend erklärte Adrian Vestea in den sozialen Medien, er habe nicht die Absicht, zurückzutreten. „Ich möchte es ganz klar sagen: Ich werde nicht zurücktreten“, erklärte er. Er sei überzeugt, diese Verantwortung in gutem Glauben übernommen zu haben und Rumänien brauche in dem besonders angespannten politischen Umfeld Stabilität.

Seine Nominierung durch den rumänischen Präsidenten Nicusor Dan löste Empörung in der Liberalen Partei aus. Deren Vorsitzender und scheidender Premierminister Ilie Bolojan forderte seine Zurücknahme der Nominierung, nachdem das Staatsoberhaupt ihn am Sonntag ohne Rücksprache mit den im Parlament vertretenen Parteien ausgewählt hatte.

Rumänien befindet sich seit dem Zusammenbruch der proeuropäischen Regierungskoalition Anfang Mai in einer Phase der Unsicherheit. Die stärkste Partei dieses Bündnisses, die linksgerichteten Sozialdemokraten, verbündeten sich mit der rechtsextremen Opposition, um die Regierung in einem Misstrauensvotum zu stürzen.

Die Liberalen und ihre Verbündeten in der Union „Rettet Rumänien“ (USR) haben seither jede neue Koalition mit den Sozialdemokraten ausgeschlossen. Diese Haltung erschwert die Bildung einer proeuropäischen Parlamentsmehrheit erheblich und macht die Unterstützung unabhängiger Abgeordneter oder Dissidenten anderer Parteien unerlässlich.

Diese anhaltende Krise gefährdet mehrere entscheidende Bereiche des Landes. Die Regierung muss insbesondere das Haushaltsdefizit, das als das höchste in der Europäischen Union gilt, reduzieren, den Zugang zu Milliarden von Euro an EU-Fördergeldern sichern und das Vertrauen der Ratingagenturen zurückgewinnen. Präsident Nicusor Dan ist überzeugt, dass eine proeuropäische Regierung unerlässlich ist, um die Reformen fortzusetzen und einen Machtantritt der extremen Rechten, die derzeit in mehreren Umfragen führt, zu verhindern.

Adrian Vesteas Erfolgsaussichten bleiben ungewiss. Liberale Parteien wie die USR haben bereits angekündigt, seine Regierung nicht zu wählen, während die Partei der ungarischen Minderheit ihre Unterstützung an den Erhalt der Einheit der Liberalen geknüpft hat. Laut Analysten der Eurasia Group hängt die Zukunft des designierten Ministerpräsidenten nun davon ab, ob es ihm gelingt, die bestehenden Spaltungen innerhalb der zentristischen Parteien auszunutzen, um eine Mehrheit oder zumindest eine tragfähige Minderheitsregierung zu bilden.

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