Seit Ende 2024 reisen Amazon-Pakete mit Hochgeschwindigkeit … unter den Passagieren. Auf der Strecke Lyon–Paris befördern nun täglich zwei TGV-Züge bis zu 2 Pakete in speziellen Kurierabteilen. Für den amerikanischen Riesen ist dies eine beispiellose Initiative in Europa, die sein Image nachhaltiger gestalten will. Dieses Experiment betrifft nur einen Bruchteil der Lieferungen: nur kleine Sendungen, die mit dem verfügbaren Platz im Frachtraum vereinbar sind. Weit entfernt von den täglich per Lkw transportierten Mengen ist diese Schienenlogistik marginal. Für Amazon stellt sie jedoch ein strategisches Signal dar: den Übergang zu nachhaltigeren Lösungen.
Wenn Hochgeschwindigkeit zum ökologischen Argument wird
Dies ist nicht der erste Versuch der SNCF. Die ehemals für Expresstransporte genutzten Abteile finden eine neue Bestimmung. Das von Hexafret, einer Tochtergesellschaft der SNCF, geleitete Projekt zielt darauf ab, die Schiene stärker in die E-Commerce-Lieferkette zu integrieren. Für Kommunikationsmanager Julien Kauffmann geht es darum, „bestehenden Raum für neue Zwecke zu nutzen“ und gleichzeitig die CO₂-Emissionen zu reduzieren. Angesichts der steigenden Umweltanforderungen, insbesondere in Großstädten, müssen die Online-Händler ihre Strategie überdenken. Die Schiene, umweltfreundlicher als die Straße, wird zu einem kommerziellen Vorteil. Auch Amazon sieht darin eine Möglichkeit, städtische Kunden anzusprechen, die es eilig haben, sich aber der ökologischen Auswirkungen bewusst sind. Ikea, das ebenfalls für bestimmte Lieferungen mit diesem Transportmittel experimentiert, folgt derselben Logik. Obwohl der Umfang der Initiative noch bescheiden ist, wächst die Idee: den TGV zu einer einmaligen, aber effektiven Alternative zum Straßentransport zu machen. Für die SNCF wie für die Händler geht es nicht mehr nur darum, schnell, sondern besser zu liefern.