Marine Le Pen hat offiziell ihre Präsidentschaftskampagne gestartet. Einen Tag nach dem Urteil des Pariser Berufungsgerichts im Fall der Europaabgeordneten des Front National verkündete die Vorsitzende des Rassemblement National mit ihrem ersten Wahlplakat ihre Absicht, für 2027 zu kandidieren. Die politische Botschaft ist klar: Trotz ihrer Verurteilung will sie im Präsidentschaftsrennen bleiben. In der 20-Uhr-Nachrichtensendung von TF1 am Dienstagabend bestätigte Marine Le Pen ihre Kandidatur bei der nächsten Präsidentschaftswahl. Sie fasste ihre Position in einer Erklärung zusammen, die die verbleibende Unsicherheit über ihre politische Zukunft beseitigen soll. „Es gibt kein Szenario mehr, in dem ich 2027 nicht kandidieren kann.“
Das Berufungsgericht eröffnet ihm ein politisches Zeitfenster.
Das Urteil des Pariser Berufungsgerichts hob Marine Le Pens Verurteilung zwar nicht auf, ermöglicht ihr aber, einen wichtigen politischen Vorteil zu behalten: die Möglichkeit, weiterhin für die Präsidentschaftswahl zu kandidieren. Die Politikerin des Rassemblement National (RN) wurde zwar im Berufungsverfahren verurteilt, doch die geltende Rechtslage hindert sie zum jetzigen Zeitpunkt nicht daran, 2027 anzutreten. Marine Le Pen hat angekündigt, beim Kassationsgerichtshof Berufung einzulegen. Diese Berufung vor dem höchsten Gericht des französischen Rechtssystems führt nicht zu einer vollständigen Neuverhandlung des Falles in der Sache selbst, sondern erlaubt es ihr, das Urteil auf juristischer Grundlage anzufechten. Sie hat zudem eine sehr konkrete und unmittelbare Folge für sie: Die Vollstreckung des im Berufungsverfahren verhängten Urteils wird bis zur Entscheidung des Kassationsgerichtshofs ausgesetzt.
Das elektronische Armband wurde von der Berufung abgelehnt
Ohne diese Berufung vor dem Kassationsgerichtshof hätte Marine Le Pen in den kommenden Wochen vor einem für die Vollstreckung des Urteils zuständigen Richter erscheinen müssen. Dieser Schritt sollte die genauen Bedingungen ihrer Bewährungsstrafe, einschließlich der Auflage, eine elektronische Fußfessel zu tragen, festlegen. Die Berufung ändert somit den Zeitplan. Durch die Anrufung des Kassationsgerichtshofs gewinnt Marine Le Pen Zeit und behält ihre Bewegungsfreiheit für die kommenden Monate. Sie kann ihre politischen Aktivitäten fortsetzen, ihren Wahlkampf organisieren, ihre öffentlichen Auftritte verstärken und ihre Verurteilung weiterhin öffentlich anfechten.
Marine Le Pen beteuert ihre Unschuld.
Auf TF1 betonte die Vorsitzende der Fraktion des Rassemblement National in der Nationalversammlung ihre Unschuld und bezeichnete ihren Einspruch als notwendigen Schritt. Sie erklärte: „Ich bin unschuldig und lege Berufung beim Kassationsgericht ein, um dies zu beweisen. Ich glaube, dass zwei Gerichte einen Fehler machen können. Ich möchte alle mir zur Verfügung stehenden Rechtsmittel ausschöpfen, um meine Unschuld in diesem Fall zu verteidigen.“ Diese Verteidigungslinie ist mittlerweile zu einem zentralen Element ihres Wahlkampfes geworden. Marine Le Pen gibt sich nicht damit zufrieden, ihre Kandidatur einfach nur anzukündigen: Sie beabsichtigt, die juristischen Auseinandersetzungen in einen politischen Streit umzuwandeln und sich als Kandidatin zu präsentieren, die ihren Kampf vor Gericht führt und gleichzeitig das Recht beansprucht, die Unterstützung der Wähler zu gewinnen.
Die vierte Präsidentschaftswahl hat offiziell begonnen.
Marine Le Pen steuert damit auf ihre vierte Präsidentschaftskandidatur zu, nach 2012, 2017 und 2022. Das erste veröffentlichte Wahlplakat markiert den Beginn einer neuen Phase für den Rassemblement National, der trotz der Belastung durch die Gerichtsverfahren nun seine Kandidatin langfristig positionieren will. Indem sie bereits ihre Ambitionen für 2027 offenbart, versucht Marine Le Pen, die Initiative zurückzugewinnen. Das Urteil des Berufungsgerichts bestätigte zwar die Verurteilung, schloss ihre Kandidatur aber nicht aus. Die Berufung vor dem Kassationsgerichtshof verschafft ihr Zeit, setzt die unmittelbarsten Folgen des Urteils aus und erlaubt ihr, mit einer klaren Botschaft in den Wahlkampf zu gehen: Sie wird tatsächlich für den Élysée-Palast kandidieren.

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