Der Einsatz künstlicher Intelligenz in der französischen Verwaltung erreicht eine neue Phase. An diesem Donnerstag, dem 6. Februar, werden Laurent Marcangeli, Minister für öffentliche Maßnahmen, und Clara Chappaz, beigeordnete Ministerin für digitale Angelegenheiten, im Rahmen einer Konferenz im Ministerium für den öffentlichen Dienst die Einzelheiten des Fahrplans der Regierung zur Verbreitung von KI vorstellen. Der Clou: die Beschleunigung des Einsatzes der „souveränen“ künstlichen Intelligenz Albert.
Albert, KI im Dienste der digitalen Souveränität
Albert wird seit 2022 von der Interministeriellen Digitaldirektion (DINUM) entwickelt und als französische Alternative zu den amerikanischen Giganten der generativen KI präsentiert. Albert wurde unter Verwendung von Open-Source-Software entwickelt und zielt darauf ab, die technologische Abhängigkeit Frankreichs von ausländischen Lösungen zu begrenzen und gleichzeitig die vollständige Kontrolle über die Verwaltungsdaten zu gewährleisten. „Im gegenwärtigen geopolitischen Kontext ist es von entscheidender Bedeutung, die Kontrolle über unsere digitalen Infrastrukturen zu behalten“, betont Pierre Pezziardi, Berater von DINUM.
Seit seiner Einführung hat sich Albert nach und nach bei verschiedenen Verwaltungen etabliert, insbesondere bei den France Services-Häusern, wo es Beratern bei der Beantwortung von Benutzeranfragen hilft. Albert ist auch über den sicheren Nachrichtendienst des Staates, Tchap, und die Plattform Service Public + zugänglich und ermöglicht die Generierung automatisierter Antworten auf die Meinungen der Bürger, wobei eine obligatorische menschliche Überwachung gewährleistet ist.
Allerdings ist diese Implementierung nicht ohne Probleme. Während einige Verwaltungen wie der Zoll oder die Gendarmerie das Tool übernommen haben, bevorzugen andere, wie die Generaldirektion für öffentliche Finanzen, eine intern entwickelte KI. „Die Leistung schwankt noch immer“, räumt Ulrich Tan, Leiter des Datalabs von DINUM, ein. Die Gewerkschaften äußern ihrerseits Vorbehalte. „Einige Agenten finden, dass Albert weniger relevant ist als eine einfache Google-Suche“, gesteht Benjamin Gandouin von Solidaires Finances Publiques.
Diese Kritik steht nicht allein. Alexandre Bataille, Vertreter des Öffentlichen Dienstes der CFDT, weist auf ein weiteres Risiko hin: die Intensivierung sich wiederholender Aufgaben und einer „erzwungenen Automatisierung“ zum Nachteil der Agenten. KI-Experte Yann Ferguson räumt die Volatilität von Alberts Ergebnissen ein: „Manchmal sind sie perfekt, manchmal gerät die KI völlig aus den Fugen.“ »
Eine strategische Frage für den öffentlichen Dienst
Trotz dieser Hindernisse ist die Regierung weiterhin davon überzeugt, dass Alberts Plan das Potenzial hat, die öffentliche Verwaltung zu verändern. Ziel ist es, Verwaltungsabläufe zu vereinfachen, die Reaktionen auf die Benutzer zu optimieren und letztlich die mit der öffentlichen Verwaltung verbundenen Kosten zu senken. Mehr als 25 Verwaltungen nutzen Albert bereits und die Roadmap 2025 zielt auf eine breite Einführung ab.
Die Partnerschaft mit französischen Start-ups wie Mistral und Initiativen wie dem Gen AI Hackathon for Public Good zeigen den Wunsch des Staates, Innovationen durch die Nutzung lokaler Talente anzuregen. Die internationale Konferenz zur künstlichen Intelligenz, die am 10. und 11. Februar in Paris stattfinden soll, soll eine Gelegenheit bieten, die französischen Ambitionen im Vergleich zu den globalen Giganten zu messen.
Im Hintergrund bleibt eine zentrale Herausforderung: Es gilt, KI einzusetzen und gleichzeitig den Beamten Vertrauen in ihre zukünftige Rolle zu vermitteln. „KI sollte nicht als Instrument zur Arbeitsplatzvernichtung betrachtet werden, sondern als Hebel zur Transformation“, betont Clara Chappaz. Es bleibt abzuwarten, ob sich diese Vision auch die Skeptiker des öffentlichen Dienstes überzeugen lässt.