Der algerische Journalist Saâd Bouakba, eine bekannte Persönlichkeit der nationalen Presse, wurde am Donnerstag nach einer Anzeige von Mahdia Ben Bella, der Tochter des ersten algerischen Präsidenten, in Untersuchungshaft genommen. Sie wirft dem Kommentator vor, das Andenken ihres Vaters in einer Sendung des YouTube-Kanals Vision TV News beschmutzt zu haben. Bouakba hatte darin die illegale Verteilung von FLN-Geldern während des Unabhängigkeitskrieges thematisiert. Die Staatsanwaltschaft Bir Mourad Raïs leitete umgehend Ermittlungen ein und sprach von „Falschinformationen“ und „Angriffen auf Symbole der Revolution“.
Der Fall hat jedoch eine politische Dimension angenommen. Der 79-jährige Bouakba beteuert, er habe lediglich ein vor fast einem halben Jahrhundert veröffentlichtes historisches Werk zitiert, das von den damaligen Machthabern nie infrage gestellt worden sei. Trotzdem leitete die Staatsanwaltschaft umgehend ein Verfahren ein und ordnete seine Inhaftierung an, während sich das Ministerium für Mudschahedin-Angelegenheiten als Nebenkläger dem Verfahren anschloss. Auch der Eigentümer von Vision TV und der Journalist, der das Interview führte, werden strafrechtlich verfolgt, obwohl gegen sie keine direkte Anzeige vorlag.
Diese schnelle Reaktion erfolgt vor dem Hintergrund des wachsenden Drucks auf die unabhängige Presse in Algerien. Es ist nicht das erste Mal, dass die Behörden Bouakba ins Visier genommen haben: Bereits 2023 wurde er wegen Verleumdung zu sechs Monaten Haft verurteilt und unterlag seither einem Reiseverbot. Beobachter prangern die politische Instrumentalisierung der Justiz und die Ausnutzung einer Familienanzeige an, um einen Journalisten zum Schweigen zu bringen, der für seine Offenheit und seine kritische Sicht auf die algerische Geschichte bekannt ist.
Die Anhörung wurde auf den 4. Dezember vertagt, Bouakba bleibt weiterhin in Haft. Für viele Verfechter der Pressefreiheit verdeutlicht diese Inhaftierung einen besorgniserregenden Trend innerhalb der algerischen Regierung, die nicht länger zögert, Journalisten für Äußerungen im Zusammenhang mit historischen Debatten zu inhaftieren. Es ist ein weiteres Warnsignal in einem Land, in dem die Meinungsfreiheit sichtbar schwindet.