China und die USA gerieten am Donnerstag, dem 37. Jahrestag der Ereignisse auf dem Tiananmen-Platz 1989, erneut wegen der Niederschlagung der Proteste aneinander. Peking kritisierte die Äußerungen von US-Außenminister Marco Rubio scharf und bezeichnete sie als „verleumderisch“, während Taiwan die chinesischen Behörden aufforderte, ihre Vergangenheit anzuerkennen.
In einer am Vortag veröffentlichten Erklärung betonte Marco Rubio, dass die chinesische Zensur die Erinnerung an die Militärintervention gegen die prodemokratischen Demonstranten in Peking nicht auslöschen könne. Er bekräftigte zudem, dass die Teilnehmer der Demonstrationen seiner Ansicht nach eines Tages rehabilitiert würden, und knüpfte damit an eine langjährige amerikanische diplomatische Tradition an, dieses Ereignis zu würdigen.
Die chinesischen Behörden reagierten entschieden. Außenministeriumssprecher Mao Ning erklärte, Peking habe bereits eine „klare Schlussfolgerung“ zu den Ereignissen der späten 1980er Jahre gezogen und wies die amerikanischen Anschuldigungen zurück, da diese historische Fakten verzerrten und das chinesische politische System diskreditierten.
Die chinesische Diplomatie warf Washington zudem vor, sich unter dem Deckmantel der Verteidigung von Menschenrechten und Demokratie in die inneren Angelegenheiten des Landes einzumischen. Peking bekräftigte als direkte Reaktion auf die amerikanische Kritik seine Position zum sogenannten „Weg des Sozialismus chinesischer Prägung“.
Taiwan nutzte seinerseits die Gelegenheit, China aufzufordern, sich der Geschichte zu stellen. Angesichts der ohnehin schon angespannten Beziehungen zwischen Peking und Taipeh spiegelt diese Erklärung eine politische Haltung wider, die die Distanz zwischen der Insel und dem chinesischen Festland betont.
In Festlandchina sind die Ereignisse auf dem Tiananmen-Platz nach wie vor ein strenges Tabuthema. Jegliche öffentliche Gedenkveranstaltung ist dort verboten, während im Ausland, insbesondere in Taipeh und mehreren westlichen Hauptstädten, Mahnwachen zum Gedenken an die Opfer abgehalten werden. Dort finden trotz diplomatischer Spannungen jedes Jahr Gedenkveranstaltungen statt.
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