Wenige Tage vor dem NATO-Gipfel in Ankara wurde Dutzenden türkischen Journalisten die Akkreditierung verweigert, was scharfe Kritik von unabhängigen Medien und Organisationen für Pressefreiheit auslöste. Das Atlantische Bündnis erklärte, es habe sich auf die Einschätzungen der türkischen Behörden hinsichtlich der nationalen Akkreditierung der Journalisten gestützt.
Die Türkei empfängt am 7. und 8. Juli die Staats- und Regierungschefs der 32 NATO-Mitgliedstaaten sowie Vertreter von Partnerländern aus der Golfregion und dem asiatisch-pazifischen Raum. Mehrere unabhängige türkische Medien, darunter Cumhuriyet, Sözcü, Anka, T24 und Medyascope, berichteten, dass die Akkreditierungsanträge ihrer Journalisten abgelehnt wurden. Auch Ersin Çelik, Journalist der regierungsnahen Tageszeitung Yeni Şafak, gab an, dass sein Antrag abgelehnt worden sei.
In einer Stellungnahme verurteilte der türkische Journalistenverband die Entscheidung als „besorgniserregend für die Pressefreiheit“. Die Organisation ist außerdem der Ansicht, dass diese Verweigerung der Akkreditierung gegen die im NATO-Gründungsvertrag verankerten Prinzipien der Demokratie, der individuellen Freiheit und der Rechtsstaatlichkeit verstößt.
NATO-Sprecherin Allison Hart erklärte ihrerseits, dass sich das Bündnis bei der Genehmigung des Zugangs von Journalisten zum Gipfelgelände auf die Einschätzungen des Gastgeberlandes stützt. Sie fügte hinzu, die NATO stehe weiterhin in Kontakt mit den türkischen Behörden und es sei „sehr wichtig“, dass die Medien die wichtigsten Ereignisse vor Ort begleiten können. Eine Stellungnahme der türkischen Behörden lag zunächst nicht vor.
Diese Kontroverse fällt in eine Zeit zunehmender Spannungen um Bürgerrechte in der Türkei. Die Staatsanwaltschaft Ankara gab bekannt, dass 103 Personen in Untersuchungshaft genommen und 26 weitere unter richterlicher Aufsicht freigelassen wurden. Dies geschah im Anschluss an eine großangelegte Anti-Terror-Operation, bei der Anfang der Woche 225 Personen festgenommen wurden.
Laut mehreren Medienberichten befinden sich unter den Festgenommenen der Journalist und LGBTQ+-Aktivist Yildiz Tar sowie Freiwillige der Umweltstiftung TEMA. Menschenrechtsorganisationen und die pro-kurdische Partei DEM sehen in diesen Maßnahmen, zusammen mit dem Versammlungsverbot im Vorfeld des NATO-Gipfels, einen Teil eines umfassenderen Vorgehens gegen demokratische Freiheiten und die Zivilgesellschaft in der Türkei.
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