Ein österreichisches Gericht hat am Mittwoch den ehemaligen Inlandsgeheimdienstmitarbeiter Egisto Ott der Spionage für Russland für schuldig befunden. Ihm wird vorgeworfen, Moskau bei der Verfolgung seiner Gegner geholfen und auf Geheiß von Jan Marsalek, der als mutmaßlicher Moskauer Agent gilt, sensible Ausrüstung, darunter staatseigene Laptops und Telefone, weitergegeben oder verkauft zu haben.
Dieser Fall gilt als der bedeutendste Spionagefall in Österreich seit der Verurteilung eines pensionierten Obersts im Jahr 2020 wegen jahrelanger Tätigkeit für Russland. Er verdeutlicht das Ausmaß des Einflusses und der Geheimdienstoperationen Moskaus in Europa vor dem Hintergrund anhaltender Spannungen zwischen Russland und westlichen Ländern.
Das Gericht befand Egisto Ott außerdem des Machtmissbrauchs, der Bestechung und des Vertrauensbruchs für schuldig. Der 63-Jährige wurde zu einer Haftstrafe von vier Jahren und einem Monat verurteilt. Der ehemalige Agent hat die gegen ihn erhobenen Vorwürfe seit Prozessbeginn im Januar stets bestritten.
Egisto Ott, der in einem dunklen Anzug bei der Anhörung anwesend war, reagierte laut Berichten nicht auf das Urteil. Seine Anwältin Anna Mair erklärte, er sei ruhig geblieben und beabsichtige, Berufung einzulegen.
Die Ermittlungen ergaben, dass der ehemalige Agent mutmaßlich unbefugt Polizeidatenbanken durchsucht hatte, um von Moskau gesuchte Personen aufzuspüren. Unter ihnen befand sich Dmitri Senin, ein ehemaliger russischer Geheimdienstagent, der in Montenegro Asyl beantragt hatte.
Der Fall steht auch in Verbindung mit dem ehemaligen Wirecard-Manager Jan Marsalek, der sich derzeit auf der Flucht befindet und vermutlich in Russland lebt. Laut mehreren europäischen Gerichtsverfahren soll er eine zentrale Rolle in einem russischen Spionagenetzwerk gespielt haben, das zahlreiche Operationen auf dem gesamten Kontinent umfasste. Besonders hervorzuheben ist ein Urteil eines Londoner Gerichts, das ein Netzwerk betrifft, das er mutmaßlich geleitet hat.
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