In Sinjil, einer palästinensischen Stadt nahe Ramallah im besetzten Westjordanland, haben Anwohner freiwillige Patrouillen eingerichtet, um ihre Gemeinde vor den zunehmenden Angriffen israelischer Siedler zu schützen. Ausgestattet mit Scheinwerfern und über WhatsApp-Gruppen vernetzt, beobachten sie jede Nacht die umliegenden Hügel nach möglichen Übergriffen.
Laut Anwohnern entstand diese Organisation aus dem Gefühl heraus, von den Behörden im Stich gelassen worden zu sein. „Wir sind auf uns allein gestellt. Wir stehen Siedlern gegenüber, die von ihrer Regierung unterstützt werden. Wir haben niemanden. Deshalb sind wir gezwungen, hier zu bleiben und diese Stadt zu schützen“, sagte Fadi Alwan, einer der Freiwilligen, die an den Überwachungspatrouillen teilnehmen.
Anwohner berichten von einer Eskalation der Siedlergewalt seit Beginn des Gaza-Krieges und werfen der israelischen Armee und Polizei vor, nicht schnell genug zu reagieren oder gar die Angreifer zu schützen. Die israelische Armee weist diese Vorwürfe zurück und erklärt, ihre Soldaten würden zur Auflösung von Auseinandersetzungen eingesetzt, während Handlungen israelischer Zivilisten in die Zuständigkeit der Polizei fielen. Die Polizei reagierte nicht auf Anfragen von Reuters.
Während ihrer nächtlichen Patrouillen kommunizieren die Freiwilligen ständig über WhatsApp-Gruppen, um die Bewohner im Gefahrenfall schnell warnen zu können. Laut Fadi Alwan wird sofort eine Nachricht verbreitet, wenn sich Siedler den Häusern nähern, damit die Bewohner sich versammeln und versuchen können, sie abzuwehren.
Der Freiwillige gibt an, kürzlich bei der Weizenernte von einem Siedler mit einem Stachelknüppel angegriffen worden zu sein. Er behauptet außerdem, Siedler hätten im vergangenen Jahr ein Zelt beschossen, das Freiwillige zur nächtlichen Überwachung nutzten, bevor die israelische Armee das Zelt am darauffolgenden Tag abbaute. Die Armee hat sich zu diesen Vorwürfen nicht geäußert.
Die israelische Regierung genehmigt weiterhin den Bau neuer Siedlungen und Außenposten im Westjordanland und behauptet, diese Politik sei sicherheitspolitisch motiviert und ziele darauf ab, die Entstehung eines palästinensischen Staates zu verhindern. Die Palästinenser und ein Großteil der internationalen Gemeinschaft betrachten diese Siedlungen jedoch als völkerrechtswidrig – eine Interpretation, die Israel bestreitet.
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