Wie soeben bekannt wurde, ist Huguette Bouchardeau am Montag im Alter von 90 Jahren verstorben. Die Politikerin, feministische Aktivistin, Akademikerin, Schriftstellerin und Verlegerin hinterlässt ein bemerkenswertes Vermächtnis an der Schnittstelle von Sozialismus, politischer Ökologie und dem Kampf für Frauenrechte. Ihr Tod wurde am Donnerstag von der Sozialistischen Partei bekannt gegeben.
Eine frühe Zusage
Huguette Bouchardeau, geborene Briaut, wurde am 1. Juni 1935 in Saint-Étienne geboren und wuchs in einfachen Verhältnissen auf, bevor sie sich schon in jungen Jahren in der Studenten- und Lehrergewerkschaft engagierte. Die studierte Philosophin war zunächst Lehrerin, dann Universitätsprofessorin, bevor sie zu einer der markantesten Stimmen der französischen Linken wurde.
Eine Frau, die sich mit Gewalt an die Macht gebracht hat
1979 wurde Huguette Bouchardeau zur nationalen Sekretärin der Vereinigten Sozialistischen Partei gewählt. Zu einer Zeit, als Frauen an der Spitze politischer Organisationen noch sehr selten waren, machte sie diese Ernennung zu einer Pionierin. Sie verkörperte einen linken Flügel, der selbstverwaltet, feministisch, kritisch gegenüber traditionellen Machtstrukturen und aufgeschlossen gegenüber neuen sozialen Bewegungen war.
Zwei Jahre später kandidierte sie bei den Präsidentschaftswahlen 1981 für die PSU. Sie erzielte zwar nur ein bescheidenes Ergebnis, doch ihre Kandidatur fiel in eine wichtige Zeit: als Frauen begannen, sich in einem lange von Männern dominierten politischen Wettbewerb Gehör zu verschaffen.
Umweltminister unter François Mitterrand
Nach der Wahl von François Mitterrand trat Huguette Bouchardeau der Regierung bei. 1983 wurde sie zur Staatssekretärin für Umwelt ernannt und ab 1984 in der Regierung von Laurent Fabius zur Umweltministerin. Dieses Amt bekleidete sie bis 1986. Ihr Name ist bis heute mit dem Bouchardeau-Gesetz vom 12. Juli 1983 verbunden, das die Demokratisierung öffentlicher Anhörungen und den Schutz der Umwelt zum Ziel hatte. Dieses Gesetz stärkte die Rolle der Öffentlichkeit bei Entscheidungen mit potenziellen Umweltauswirkungen, lange bevor Bürgerbeteiligung zum institutionellen Standard wurde.
In erster Linie eine feministische Aktivistin
Über ihre politischen Mandate hinaus setzte sich Huguette Bouchardeau vor allem für eine Vision ein: eine Gesellschaft, in der Frauen keine Erlaubnis benötigen, politisch aktiv zu sein. Sie engagierte sich für Verhütung, das Recht auf Abtreibung, die Teilhabe von Frauen am öffentlichen Leben und ihre Anerkennung in der politischen und sozialen Geschichte. Sie prangerte die Marginalisierung von Frauen an und weigerte sich, sie in politischen Parteien, Gewerkschaften oder Institutionen auf Nebenrollen zu beschränken.
Eine Karriere nach dem Staatsdienst
Nach ihrer Zeit in der Regierung setzte Huguette Bouchardeau ihre politische Karriere als Abgeordnete für das Département Doubs und anschließend von 1995 bis 2001 als Bürgermeisterin von Aigues-Vives im Département Gard fort. Danach zog sie sich aus der nationalen Politik zurück und widmete sich verstärkt dem Schreiben und Publizieren. Sie veröffentlichte zahlreiche Werke, insbesondere über Frauen wie Simone de Beauvoir, Simone Weil und George Sand. Zudem gründete sie einen Verlag und setzte damit ihr Engagement für den Erhalt des gesprochenen Wortes, der Erinnerung und der Wissensweitergabe auf neue Weise fort.
Der Aufbruch eines Pioniers
Huguette Bouchardeau gehörte zu jener Generation politischer Führungspersönlichkeiten, die den Status quo infrage stellten, ohne dabei stets im Rampenlicht zu stehen. Sie öffnete Türen in einer verschlossenen politischen Welt, setzte sich für den Umweltschutz ein, als dieses Thema noch ein Randthema war, und verteidigte den Feminismus, als dieser noch allzu oft als zweitrangiges Anliegen behandelt wurde. Mit ihrem Tod geht eine stille, aber unverzichtbare Figur der französischen Linken verloren: eine Frau mit Überzeugung, die ihr Leben lang etablierte Rollen hinterfragte.