Am Montagabend endeten zwei WM-Spiele unentschieden. Saudi-Arabien und Uruguay trennten sich 1:1. Im anderen Spiel teilten sich Iran und Neuseeland in einer offeneren Partie die Punkte mit einem 2:2. Diese beiden Ergebnisse hinterlassen einen gegensätzlichen Eindruck: Iran gelang trotz schwieriger Ausgangslage ein gelungener Turnierstart, während Uruguay zunächst einem Rückstand hinterherlaufen musste, die Partie aber letztendlich nicht mehr drehen konnte.
Der Iran kommt unter Druck an, reagiert aber vor Ort.
Die iranische Nationalmannschaft bereitete sich unter erschwerten Umständen auf die Weltmeisterschaft vor. Verspätete Visabearbeitung verzögerte die Ankunft in den USA. Auch das ursprünglich in Tucson, Arizona, geplante Trainingslager wurde nach Tijuana, Mexiko, verlegt. Trainer Amir Ghalenoei räumte ein, dass sein Team früher in den USA hätte eintreffen sollen, da dieser Rückschlag die Mannschaft daran gehindert habe, sich vollständig an die lokalen Gegebenheiten anzupassen. Trotzdem gelang dem Iran am Montagabend im SoFi Stadium in Los Angeles ein guter Start in die WM-Kampagne. Gegen Neuseeland zeigte das Team Melli Kampfgeist und erreichte in einem temporeichen Spiel ein 2:2-Unentschieden.
Rezaeian, der Mann, der Iran trug
Ramin Rezaeian war an diesem Abend der Schlüsselspieler für Iran. Der Rechtsverteidiger mit der Nummer 23 erzielte in der 32. Minute ein Tor und bereitete in der 64. Minute einen Treffer vor. Da er an beiden Toren seiner Mannschaft beteiligt war, wurde er zum Spieler des Spiels gewählt. Sein Tor war für Iran von besonderer Bedeutung. Es befreite eine Mannschaft, deren Teilnahme am Turnier lange Zeit ungewiss schien. Auf dem Platz zeigte die iranische Nationalmannschaft, dass sie sich trotz der bestehenden Spannungen voll auf das Spiel konzentrieren konnte.
Ein Spiel, das in einem sichtbaren politischen Klima ausgetragen wurde
Das Spiel zwischen Iran und Neuseeland beschränkte sich nicht nur auf das Spielfeld. Vor und während der Partie fanden rund um das SoFi-Stadion Proteste gegen die Islamische Republik statt. Die iranische Nationalhymne wurde teilweise ausgebuht. Auf den Tribünen wurden zudem iranische Flaggen aus der Zeit vor der Islamischen Revolution von 1979 geschwenkt. Der geopolitische Kontext war somit bei diesem Eröffnungsspiel deutlich spürbar.
Neuseeland hinterlässt einen frühen Eindruck
Neuseeland überraschte den Iran von Beginn an. In der 7. Minute leitete Chris Wood einen sehenswerten Dreier-Angriff ein, den Sarpreet Singh fortsetzte und Elijah Just im Strafraum zum 1:0 abschloss. Nach einem vielversprechenden Start vor zahlreichen heimischen Fans geriet die iranische Nationalmannschaft mit ihrer ersten Chance in Rückstand. Der Iran antwortete daraufhin mit mehr Intensität und präziserem Angriffsspiel.
Der Iran wird auch weiterhin mit dem Problem der Anpassung konfrontiert sein.
Irans logistische Schwierigkeiten enden nicht mit diesem ersten Spiel. Die iranische Nationalmannschaft muss bis zu ihren nächsten Spielen einen engen Zeitplan bewältigen. Sie trifft am Sonntag um 21 Uhr auf Belgien und anschließend am 27. Juni um 5 Uhr morgens auf Ägypten. Obwohl die Mannschaft zwei Tage vor ihren Spielen in die USA einreisen darf, sind ihre Unterkünfte weniger sicher als die vieler anderer Nationalmannschaften.
Uruguay lag zurück, wachte dann aber auf.
Im anderen Spiel des Abends trennten sich Uruguay und Saudi-Arabien 1:1. La Celeste spielte eine zerfahrene erste Halbzeit, bevor sie nach der Pause ihr Angriffsspiel deutlich verbesserte. Die bemerkenswerte Statistik: 22 Torschüsse in der zweiten Halbzeit. Das ist die höchste Anzahl an Schüssen einer Mannschaft in einer WM-Halbzeit seit 1974, als die DDR gegen Chile 24 Schüsse in der ersten Halbzeit abgab.
Eine starke Reaktion, aber unzureichend.
Diese Aufholjagd ermöglichte Uruguay den Ausgleich. Für den Sieg reichte es jedoch nicht. La Celeste konnte den Schaden somit begrenzen, hat aber bereits zwei Punkte in einem Spiel abgegeben, in dem sie zu lange brauchten, um richtig ins Spiel zu finden. Am Ende des Abends reist der Iran mit einem unter schwierigen Bedingungen erkämpften Punkt ab. Uruguay hingegen verlässt das Stadion mit einem geretteten Punkt, anstatt einen gewonnenen.