Präsidentschaftswahlen 2027: Marine Le Pen liegt in den Umfragen gut da, doch ihre Kandidatur spaltet die französische Bevölkerung weiterhin.
Präsidentschaftswahlen 2027: Marine Le Pen liegt in den Umfragen gut da, doch ihre Kandidatur spaltet die französische Bevölkerung weiterhin.

Die Kandidatur von Marine Le Pen Die Aussicht auf die Präsidentschaftswahlen 2027 scheint sich dramatisch auf die Meinungsumfragen auszuwirken: Weit davon entfernt, durch ihre Verurteilung im Berufungsverfahren um die europäischen Parlamentsassistenten geschwächt zu sein, scheint die Vorsitzende des Rassemblement National in ihren Wahlchancen gestärkt zu sein. Mehrere am Mittwoch, dem 8. Juli, veröffentlichte Umfragen deuten auf einen gemeinsamen Punkt hin: Marine Le Pen hat nun die Möglichkeit, im ersten Wahlgang deutlich vorn zu liegen und den zweiten Wahlgang gegen ihre Hauptkonkurrenten zu gewinnen.

Laut einer Ifop-Umfrage im Auftrag von LCI und Le Figaro, die nach ihrer Kandidaturankündigung in den Abendnachrichten von TF1 durchgeführt wurde, würde Marine Le Pen in allen getesteten Szenarien dominieren. In dem Szenario, in dem Édouard Philippe das Zentrum repräsentierte, käme sie auf 36 % der Stimmen, weit vor dem ehemaligen Premierminister (19 %) und Jean-Luc. Mélenchon (15%). Bei einer Kandidatur von Gabriel Attal sähe die Dynamik ähnlich aus: Der Kandidat der RN würde 36 % behalten, während dem Vorsitzenden von Renaissance und Jean-Luc Mélenchon jeweils 15 % zugeschrieben würden.

Eine weitere Umfrage von Toluna Harris Interactive im Auftrag von RTL und M6 bestätigt diesen Trend. Marine Le Pen konnte im Vergleich zu früheren Umfragen sogar leicht zulegen und erreichte je nach Szenario zwischen 34 % und 36 % der Stimmen. Dieser Zuwachs erfolgt in einer schwierigen Lage für die nationalistische Politikerin nach ihrer Verurteilung im Berufungsverfahren und der anschließenden Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe mit elektronischer Fußfessel im Fall der Parlamentsassistenten des Front National.

Eine Wahldynamik, die dem Rechtsstreit standhält

Die wichtigste Erkenntnis aus diesen Untersuchungen ist, dass der Rechtsstreit zum jetzigen Zeitpunkt nicht den von einigen Beobachtern befürchteten Wahlzusammenbruch auszulösen scheint. Im Gegenteil, die Situation könnte die Mobilisierung seiner Wählerschaft sogar noch verstärkt haben.

Marine Le Pen nutzte diese Verurteilung für politische Zwecke und prangerte eine Entscheidung an, die sie als Versuch wertete, ihre Kandidatur zu verhindern. Ihre rasche Ankündigung ihrer Kandidatur und ihre Absicht, vor dem Kassationsgerichtshof Berufung einzulegen, ermöglichten es ihr, die Medien sofort zu dominieren und die Präsidentschaftswahl in den Mittelpunkt der Debatte zu rücken.

Diese Strategie scheint bei ihrer Kernwählerschaft aufzugehen. Laut einer Elabe-Umfrage für BFMTV befürworten 68 % der Wähler des Rassemblement National ihre Kandidatur. Eine Mehrheit der Franzosen lehnt diese Kandidatur jedoch ab: 59 % der Befragten halten es für falsch, dass sie trotz ihrer Verurteilung für den Élysée-Palast kandidiert.

Dieses Paradoxon fasst die aktuelle Situation von Marine Le Pen treffend zusammen: Sie ist in der Öffentlichkeit nach wie vor stark umstritten, profitiert aber von einer besonders loyalen und mobilisierten Wählerschaft.

Eine zweite Runde, die nun der Nationalen Rallye günstig erscheint.

Die Prognosen für die Stichwahl sind noch spektakulärer. Laut Ifop würde Marine Le Pen gegen Édouard Philippe mit 54 % der Stimmen gewinnen und gegen Gabriel Attal 55 % erreichen.

Doch vor allem die Aussicht auf ein Duell gegen Jean-Luc Mélenchon fesselt die Menschen. Prognosen zufolge würde der Kandidat des Royal National Party (RN) dann mit großem Vorsprung gewinnen und laut Meinungsforschungsinstituten etwa 67 bis 70 % der Stimmen erhalten.

Diese Situation spiegelt den Zusammenbruch der traditionellen „republikanischen Front“ gegen den Rassemblement National wider. Jahrzehntelang löste das Erreichen der zweiten Runde durch einen rechtsextremen Kandidaten automatisch eine massive Mobilisierung seiner Gegner aus. Aktuelle Umfragen zeigen jedoch, dass ein erheblicher Teil der Wähler diese Ansicht nicht mehr vertritt.

Die Ablehnung von Jean-Luc Mélenchon und La France insoumise durch einen bedeutenden Teil der Wählerschaft aus dem rechten und dem Mitte-Spektrum könnte diese sehr hohen Ergebnisse im Falle eines Duells mit dem Anführer von La France insoumise insbesondere erklären.

Das Zentrum sucht noch immer nach seinem Kandidaten.

Angesichts der erwarteten Dominanz von Marine Le Pen besteht die größte Unsicherheit nun darin, wer das Mitte-Rechts-Lager vertreten wird. Édouard Philippe scheint derzeit der Kandidat mit den besten Chancen zu sein, den Vorsprung des Rassemblement National in der Stichwahl zu begrenzen. In diesem Szenario könnte der ehemalige Premierminister ein deutlich engeres Rennen gestalten, mit 49 % gegenüber 51 % für Marine Le Pen, so Harris Interactive.

Gabriel Attal scheint derzeit weniger gut positioniert zu sein. Seine Kandidatur würde die politische Landschaft, die bereits durch die Präsidentschaftsmehrheit geprägt ist, weiter spalten, und sein Profil hat nach wie vor Schwierigkeiten, sich gegenüber dem von Édouard Philippe durchzusetzen.

Rechts bleiben die Republikaner in Schwierigkeiten. Bruno Retailleau kommt weiterhin auf weniger als 10 % Zustimmung und liegt damit weit hinter Marine Le Pen und den führenden Köpfen der Mitte.

Trotz der Umfragen ist die Wahl noch völlig offen.

Diese Umfragen belegen zwar einen unbestreitbaren Aufwärtstrend für Marine Le Pen, stellen aber keine endgültige Prognose dar. Elf Monate vor der Wahl können zahlreiche Ereignisse die politische Landschaft noch grundlegend verändern: die Wirtschaftslage, internationale Krisen, die Kandidatenaufstellung, Wahlkampfdebatten oder auch die endgültige Entscheidung des Kassationsgerichtshofs.

Darüber hinaus ist ein erheblicher Teil der französischen Bevölkerung noch immer unentschlossen. Umfragen zeigen, dass je nach den Umständen zwischen 22 % und 34 % der Wähler in der zweiten Runde der Stimme enthalten sein, einen leeren Stimmzettel abgeben oder ihren Stimmzettel für ungültig erklären könnten.

Marine Le Pen genießt damit einen beispiellosen Vorteil bei den französischen Präsidentschaftswahlen. Ihre größte Herausforderung bleibt jedoch seit Jahren unverändert: eine starke Wählerbasis in eine nationale Mehrheit umzuwandeln. Obwohl sie dem Élysée-Palast näher denn je scheint, hat der Präsidentschaftswahlkampf gerade erst begonnen.

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