Bürokratie, Sprachbarrieren und familiäre Gründe veranlassen viele Einwanderer, Deutschland kurz nach ihrer Ankunft wieder zu verlassen. Eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) beleuchtet die Ursachen dieses Phänomens.
„Wer mit seiner Einwanderungspolitik Erfolg haben will, muss auch die Auswanderung verstehen“, sagte Laura Gossner, Forscherin für Migration und internationale Arbeit am IAB, auf einer Pressekonferenz in Berlin. Das Institut führte eine Online-Umfrage unter 18- bis 65-Jährigen durch, die vor April 2025 nach Deutschland eingewandert und anschließend wieder ausgewandert sind, um die Hauptgründe für diese Auswanderung zu ermitteln.
Das typische Profil eines Auswanderers zeichnet sich ab: jünger als der Durchschnitt, kürzere Aufenthaltsdauer in Deutschland und Partner oder Kinder, die im Ausland bleiben. Ihre Deutschkenntnisse sind oft begrenzt, ihre Englischkenntnisse hingegen in der Regel gut. Rund 60 % dieser Personen kehren in ihr Herkunftsland zurück; die übrigen 40 % zieht es in andere europäische Länder, vor allem nach Spanien, in die Schweiz, nach Italien oder Kroatien.
Bürokratie zählt zu den am häufigsten genannten Beschwerden. Die Bearbeitungszeiten für Einbürgerungsanträge, Aufenthaltsgenehmigungen, Visa und die Anerkennung ausländischer Qualifikationen werden als übermäßig lang empfunden. Hohe Verwaltungsgebühren und mangelnde Unterstützung bei der beruflichen Weiterentwicklung – sei es durch Arbeitsagenturen, lokale Behörden oder Arbeitgeber – tragen ebenfalls zur Frustration bei. Laut Gossner erschweren diese Hindernisse die langfristige Planung und untergraben das Zugehörigkeitsgefühl: „Wenn Verfahren als langwierig, verwirrend oder schwer zugänglich wahrgenommen werden, kann dies die Aussicht auf einen dauerhaften Aufenthalt beeinträchtigen.“
Die Sprache ist ein weiterer entscheidender Faktor. Tilman Frank, Präsident des BVIFG (Bundesverband Internationale Anwerbung von Fachkräften) und Geschäftsführer der TalentOrange GmbH, einem Unternehmen, das Tausende von Fachkräften im Gesundheits- und frühkindlichen Bereich in Deutschland unterstützt hat, bringt es auf den Punkt: „Wird das Erlernen der deutschen Sprache nicht von Anfang an ausreichend gefördert, ist die Wahrscheinlichkeit einer Rückkehr in das Heimatland relativ hoch. Sind hingegen gut auf das Leben in Deutschland vorbereitet, bleiben die Fachkräfte sehr lange in Deutschland.“
Frank hebt hervor, dass Staatsangehörige aus Kenia, Indien und Vietnam erhebliche Integrationsbemühungen unternommen haben. Das kenianische Arbeitsministerium ermutigt arbeitslose Jugendliche aktiv, im Ausland nach Möglichkeiten zu suchen, während in Indien und Vietnam viele Eltern eine Berufsausbildung in Deutschland als besonders attraktiv für ihre Kinder betrachten. Die Nachfrage nach ausländischen Arbeitskräften ist im Bereich der Altenpflege weiterhin besonders hoch.
Ein weiterer Grund für die Auswanderung ist die Diskrepanz zwischen den Qualifikationen der Zuwanderer und den ihnen angebotenen Arbeitsplätzen. „Fachkräfte, die in ihrem Heimatland in der Akutpflege ausgebildet wurden, arbeiten unter Umständen in deutschen Pflegeheimen, ohne dass ihnen dies vorher klar mitgeteilt wurde“, erklärt Frank.
Angesichts dieser Beobachtungen werden Initiativen ergriffen. Die Bundesagentur für Arbeit hat ein zentralisiertes System eingeführt, das als schneller und zuverlässiger gilt. Das Land Hessen richtet eine zentrale Einwanderungsbehörde ein, und ein bundesweites Projekt für ein Arbeits- und Aufenthaltsrecht wird geprüft. Allerdings behindert der Personalmangel in der öffentlichen Verwaltung weiterhin das System, und die Digitalisierung schreitet nur langsam voran, bedingt durch uneinheitliche Initiativen der Länder und Kommunen. „Was noch fehlt, ist eine umfassende nationale Lösung“, resümiert Frank.
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