Frankreich wird den russischen Botschafter in den kommenden Tagen einbestellen, nachdem eine großangelegte Cyberangriffskampagne russischer Geheimdienste aufgedeckt wurde. Dies gab Außenminister Jean-Noël Barrot am Montag bekannt und verurteilte Sabotage- und Spionageoperationen gegen rund zehn europäische Länder, darunter Frankreich.
Paris plant zudem Sanktionen gegen neun Einzelpersonen und vier Organisationen, die der Beteiligung an dieser vom russischen Inlandsgeheimdienst FSB orchestrierten Kampagne beschuldigt werden. Zu den Betroffenen gehören Mitglieder einer Gruppe, die sich zu den destabilisierenden Aktionen gegen die Olympischen Spiele 2024 in Paris bekannt hat.
Eine Kampagne, die Ministerien und Infrastrukturprojekte ins Visier nimmt
Laut Jean-Noël Barrot zielten die Cyberangriffe darauf ab, sensible Informationen zu stehlen und den Betrieb kritischer Infrastrukturen zu stören. Ministerien, Unternehmen und mehrere strategische Betreiber gehörten zu den Zielen. Der Minister nannte insbesondere Angriffe auf die Eisenbahninfrastruktur in Polen als Beispiel für die angewandten Methoden.
Das französische Außenministerium führt diese Operationen auf die „Turla“-Methode des FSB und insbesondere auf dessen Einheit 61240 zurück, die auf Operationen gegen Frankreich spezialisiert ist. Französische Behörden weisen darauf hin, dass diese Einheit im Verdacht steht, bereits 2017 E-Mail-Konten des Verteidigungsministeriums und 2018 das Netzwerk der französischen Botschaft in Moskau ins Visier genommen zu haben.
Koordinierte Sanktionen mit europäischen Verbündeten
Frankreich handelt im Einklang mit seinen europäischen Partnern. Das Vereinigte Königreich hat Sanktionen gegen 24 Personen und Organisationen mit Verbindungen zu russischen Geheimdiensten verhängt, während die Europäische Union Maßnahmen gegen 13 Personen und Organisationen, darunter mehrere Offiziere des russischen Militärgeheimdienstes (GRU), ergriffen hat.
Französische Behörden geben außerdem an, dass im Februar 2025 ein Forschungsinstitut, das an sensiblen Technologien für die Verteidigungsindustrie arbeitet, Opfer eines Cyberangriffs wurde, der dem 16. Zentrum des FSB zugeschrieben wird und zur Exfiltration einer großen Datenmenge führte.
Paris betont die Stärkung seiner Verteidigungsfähigkeiten
Jean-Noël Barrot betonte, Frankreich habe seine Fähigkeiten zum Schutz vor digitalen Bedrohungen deutlich gestärkt. Er lobte insbesondere die Arbeit von Viginum, das mit der Bekämpfung ausländischer digitaler Einmischung beauftragt ist, sowie die der französischen Nationalen Agentur für Cybersicherheit (ANSSI), die Cyberangriffe aufdeckt und Desinformationskampagnen verhindert, die demokratische Prozesse stören könnten.
Laut Ministerium baut Russland seine Fähigkeiten zur Cyberoffensive weiter aus und stützt sich dabei auf ein Netzwerk nichtstaatlicher Akteure, darunter Gruppen, die sich als „Hacktivisten“ ausgeben, um Destabilisierungsoperationen gegen die Ukraine und die sie unterstützenden Länder durchzuführen.
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