Da der NATO-Gipfel am 7. und 8. Juli in Ankara unmittelbar bevorsteht, wird erwartet, dass die Mitgliedstaaten des Bündnisses das Thema Menschenrechte und die Unterdrückung der Opposition in der Türkei nicht öffentlich ansprechen werden. Laut mehreren Diplomaten wurden die Belange der türkischen Demokratie zugunsten von Sicherheits- und Verteidigungsfragen zunehmend in den Hintergrund gedrängt.
Dieser Strategiewechsel markiert einen Bruch mit der Situation im Jahr 2021, als zehn westliche Botschafter die Freilassung eines als politischen Gefangenen geltenden Mannes forderten. Ihre Initiative löste eine schwere diplomatische Krise mit Präsident Recep Tayyip Erdoğan aus, der ihnen mit Ausweisung drohte, bevor ein Kompromiss zur Entschärfung der Spannungen erzielt werden konnte.
Seit Russlands Invasion in der Ukraine 2022 haben sich die Prioritäten der westlichen Länder verschoben. Angesichts neuer Sicherheitsbedrohungen in Europa haben die NATO-Mitgliedstaaten ihre Zusammenarbeit mit der Türkei verstärkt, deren geografische Lage, militärische Fähigkeiten und Rüstungsindustrie als essenziell für das Bündnis gelten.
Der Gipfel in Ankara dürfte diesen diplomatischen Kurswechsel verdeutlichen. Es wird erwartet, dass die Staats- und Regierungschefs der 32 NATO-Mitgliedstaaten ihre Gespräche auf die Stärkung der kollektiven Verteidigung, die Erhöhung der Militärausgaben und die Unterstützung der Ukraine konzentrieren werden, ohne Fragen der bürgerlichen Freiheiten in der Türkei zum zentralen Thema zu machen.
Beobachtern zufolge spiegelt dieser Ansatz den Wunsch der westlichen Verbündeten wider, die NATO-Einheit in einem von hohen Spannungen geprägten internationalen Kontext zu wahren. Die Kritik an der Menschenrechtslage in der Türkei ist zwar nicht verschwunden, wird aber mittlerweile weitgehend von den strategischen und sicherheitspolitischen Erfordernissen des Bündnisses überschattet.
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