Fall Giulio Regeni: Italienische Staatsanwälte fordern lebenslange Haftstrafe für ägyptischen Beamten
Fall Giulio Regeni: Italienische Staatsanwälte fordern lebenslange Haftstrafe für ägyptischen Beamten

Zehn Jahre nach dem Verschwinden und Tod des italienischen Studenten Giulio Regeni in Ägypten haben italienische Staatsanwälte harte Strafen für vier ägyptische Sicherheitsbeamte gefordert, die der Beteiligung an seiner Entführung, Folter und Ermordung beschuldigt werden. Für einen der Hauptangeklagten wurde eine lebenslange Haftstrafe beantragt.

Giulio Regeni, Doktorand an der Universität Cambridge, verschwand am 25. Januar 2016 in Kairo während seiner Forschungsarbeit. Seine Leiche wurde einige Tage später gefunden. Die Autopsie ergab, dass er vor seinem Tod mehrfach gefoltert worden war, was in Italien Empörung und eine langwierige diplomatische Krise zwischen Rom und Kairo auslöste.

In ihrem Schlussplädoyer vor einem römischen Gericht forderte die Anklage eine lebenslange Haftstrafe für Magdi Sharif, einen Kommandeur des ägyptischen Geheimdienstes. Für drei weitere Beamte – den ehemaligen Chef des Staatssicherheitsdienstes, Tarek Sabir, Polizeioberst Hisham Helmy und Oberst Ather Kamal, den ehemaligen Leiter der Ermittlungsabteilung in Kairo – wurden Haftstrafen von jeweils 17 Jahren und sechs Monaten beantragt.

Die vier Männer werden in Abwesenheit angeklagt, da sie nie vor einem italienischen Gericht erschienen sind. Sie haben sich zu den Vorwürfen nicht öffentlich geäußert. Der Prozess wird durch ein italienisches Gesetz ermöglicht, das die Strafverfolgung von im Ausland begangenen Straftaten erlaubt, wenn die Opfer italienische Staatsbürger sind.

Ägypten hat jegliche Beteiligung seiner Institutionen an diesem Fall stets bestritten. Die ägyptischen Behörden behaupten, Giulio Regeni sei von gewöhnlichen Kriminellen getötet worden. Diese Version wird von der italienischen Staatsanwaltschaft angezweifelt, die davon überzeugt ist, dass die im Zuge der Ermittlungen gesammelten Beweise auf eine direkte Beteiligung von Mitgliedern der Sicherheitsdienste hindeuten.

Vor Gericht verurteilte der stellvertretende Staatsanwalt Sergio Colaiocco die seiner Ansicht nach „methodische, kalte und organisierte“ Gewaltanwendung gegen einen wehrlosen Mann. Laut Anklage belegen die gesammelten Beweise, dass der junge Forscher mehrere Tage lang festgehalten und gefoltert wurde, bevor er getötet wurde.

Zum ersten Mal seit Prozessbeginn präsentierte die Staatsanwaltschaft dem Gericht mit Zustimmung der Familie Regeni die Autopsiefotos. Laut Anklage bestätigen diese Bilder das Ausmaß der Misshandlungen und belegen, dass das Opfer während eines Großteils der Folter bei Bewusstsein war. Mit dem Urteil wird jedoch erst nach Ende der Sommerpause gerechnet. Bis zu einer Entscheidung, die einen Wendepunkt in einem der heikelsten Fälle in den Beziehungen zwischen Italien und Ägypten markieren könnte, vergehen somit noch einige Wochen.

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