In millionenfach aufgerufenen Beiträgen wird Brüssel vorgeworfen, einen „Internetpass“ einführen und VPNs verbieten zu wollen. Diese Behauptungen verzerren ein viel begrenzteres Projekt: eine Anwendung zum Schutz von Minderjährigen vor ungeeigneten Online-Inhalten.

Die EU bereitet eine App zur Altersverifizierung vor, keinen Internetpass.
Die EU bereitet eine App zur Altersverifizierung vor, keinen Internetpass.

In millionenfach aufgerufenen Beiträgen wird Brüssel vorgeworfen, einen „Internetpass“ einführen und VPNs verbieten zu wollen. Diese Behauptungen verzerren ein viel begrenzteres Projekt: eine Anwendung zum Schutz von Minderjährigen vor ungeeigneten Online-Inhalten.

Die Europäische Kommission ist erneut Ziel einer Welle viraler Falschinformationen. In sozialen Medien kursieren Beiträge, die Brüssel vorwerfen, ein System vorzubereiten, das jeden Internetnutzer zur Identifizierung vor der Verbindung verpflichten würde – eine Maßnahme, die Kritiker als „Internetpass“ bezeichnen. Einige gehen sogar so weit zu behaupten, die EU plane ein VPN-Verbot, um jegliche Umgehung zu verhindern.

Diese Behauptungen beruhen auf einer absichtlichen oder unabsichtlichen Verwechslung mit einem ganz anderen Projekt: einer Altersverifizierungsanwendung, die von der Kommission angekündigt wurde und deren Einsatz bis Ende 2026 geplant ist, vorbehaltlich der Umsetzung durch die Mitgliedstaaten oder der Integration in nationale europäische Portfolios digitaler Identitäten.

Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen erläuterte bei der Ankündigung die Funktionsweise des Systems. Zur Aktivierung der App müssen Nutzer ihr Alter nur einmalig mit einem offiziellen Dokument wie Reisepass oder Personalausweis bestätigen. Von der Leyen verglich dieses Verfahren mit der Altersverifizierung, „ähnlich wie Geschäfte beim Kauf alkoholischer Getränke nach dem Alter fragen“.

Nach diesem ersten Schritt zeigt die Anwendung lediglich an, ob der Nutzer die Altersvoraussetzung für den jeweiligen Dienst erfüllt. Namen, Geburtsdaten oder andere personenbezogene Daten werden nicht übermittelt. Von der Leyen stellte klar, dass die Software es Nutzern ermöglichen würde, ihr Alter nachzuweisen, „ohne weitere personenbezogene Daten preiszugeben“, und dass sie vollständig Open Source sei, sodass jeder den Quellcode einsehen könne.

Das Gerücht über ein VPN-Verbot entstand aufgrund eines im Januar vom Forschungsdienst des Europäischen Parlaments veröffentlichten Papiers. Darin wurde untersucht, wie diese Tools zur Umgehung von Altersverifizierungssystemen eingesetzt werden können. Dieses Dokument, das für Abgeordnete des Europäischen Parlaments und Parlamentsmitarbeiter bestimmt ist, spiegelt nicht die offizielle Position der EU wider und schlägt keine Einschränkungen für VPNs vor.

Die Spekulationen flammten Ende April erneut auf, als die Kommissarin für technologische Souveränität, Henna Virkkunen, auf einer Pressekonferenz zur Möglichkeit von Minern befragt wurde, das System mithilfe eines VPNs zu umgehen. Sie räumte ein, dass keine technische Lösung absolut sicher sei, stellte aber in einem Interview mit der finnischen Wirtschaftssendung „Talousaamu“ klar, dass das Ziel darin bestehe, die Verifizierung zu erschweren, nicht aber VPNs zu verbieten. Ihr Büro bestätigte, dass es „absolut keine Offensive gegen VPNs“ gebe.

Ein Sprecher der Kommission bekräftigte das Bekenntnis der EU zu einem freien und offenen Internet. Es gibt berechtigte Debatten über die Effektivität des Systems und die Dauer seiner Umsetzung durch die Europäische Kommission, doch nichts in offiziellen Texten oder Stellungnahmen deutet auf einen Plan zur Zensur des Internetzugangs oder zum Verbot von VPNs hin.

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