Die Mutter der elfjährigen Rosa, eines weiteren mutmaßlichen Opfers von Jérôme Barella, hat nach Lyhannas Tod rechtliche Schritte eingeleitet. Ihr Anwalt, Pierre Debuisson, kündigte eine Beschwerde gegen Justizminister Gérald Darmanin beim Gerichtshof der Republik an. Ihm wird vorgeworfen, das Leben anderer gefährdet und einer Person in Not nicht geholfen zu haben.
Die Klage richtet sich nicht nur gegen den Minister. Rosas Mutter beabsichtigt außerdem, den Staat wegen grober Fahrlässigkeit, die Ermittler wegen ihrer angeblichen Untätigkeit sowie die Staatsanwaltschaften in Toulouse und Auch zu verklagen, denen vorgeworfen wird, Jérôme Barella nicht früh genug festgenommen zu haben.
Rosa hatte vor Lyhannas Tod eine Beschwerde eingereicht.
Rosa, geboren 2014, hatte im August 2025 zusammen mit ihrer Mutter Anzeige gegen Jérôme Barella erstattet. Sie erstattete Anzeige wegen 50 Vergewaltigungen. Die mutmaßlichen Taten sollen zwischen 2024 und 2025 in der Region Gers begangen worden sein. Das Kind wurde wenige Tage nach der Anzeige befragt. Trotzdem wurde Jérôme Barella in diesem Fall vor Lyhannas Verschwinden und ihrem späteren Tod nicht verhaftet.
Diese Verzögerung steht nun im Mittelpunkt der Beschwerde. Rosas Mutter gibt an, regelmäßig Kontakt mit den Behörden aufgenommen und stets die Antwort erhalten zu haben, dass die Ermittlungen vorankämen. Sie glaubt nun, dass die Ermittlungen tatsächlich nicht vorangingen.
Lyhanna wurde nach sechstägiger Suche tot aufgefunden.
Die elfjährige Lyhanna verschwand am 29. Mai 2026 in Fleurance, Gers. Ihre Leiche wurde sechs Tage später, am 4. Juni, gefunden. Jérôme Barella, der Hauptverdächtige, wurde am Tag nach ihrem Verschwinden festgenommen und anschließend wegen Entführung und Freiheitsberaubung angeklagt. Der Fall erregte aufgrund vorheriger Anzeigen und Berichte gegen den Verdächtigen sofort landesweites Aufsehen. Vor Lyhannas Tod war Jérôme Barella bereits in mehrere Gerichtsverfahren wegen des Verdachts auf sexuellen Missbrauch von Minderjährigen verwickelt.
Wiederholte Verwarnungen, keine Verhaftungen
Jérôme Barella war bereits vor der Tragödie in mehreren Fällen angezeigt oder verwickelt gewesen. Einige Verfahren wurden eingestellt, andere führten noch nicht zu seiner Vernehmung oder Inhaftierung. Die von Rosas Mutter eingereichte Klage basiert auf der Tatsache, dass die Behörden über ausreichend Beweise verfügten, um früher zu handeln. Sie wirft der Justiz und den Ermittlungsbehörden vor, die Kinder trotz zahlreicher Warnzeichen nicht geschützt zu haben.
Ein vorläufiger Bericht weist auf gravierende Mängel hin.
Ein erster Inspektionsbericht deckte eine Reihe von Fehlern, Verzögerungen und Versäumnissen im Umgang mit dem Fall Rosa auf. Er hob insbesondere Probleme beim Informationsaustausch zwischen den Zuständigkeitsbereichen, mangelnde Koordination zwischen den Abteilungen und das fehlende schnelle Handeln nach Eingang des Falls im Département Gers hervor. Der Bericht betonte, dass der identifizierte Verdächtige deutlich schneller hätte in Gewahrsam genommen werden müssen. Er thematisierte auch die Arbeitsbelastung von Richtern und Ermittlern, ohne die Frage der individuellen Verantwortung auszuschließen.
Darmanin nach der Tragödie unter Druck
Gérald Darmanin erkannten schwerwiegende Mängel an Die Ermittlungen in diesem Fall haben die Überprüfung von rund 70.000 Beschwerden im Zusammenhang mit Kindern bis zum 14. Juli angeordnet. Diese Ankündigung erfolgt inmitten weit verbreiteter Empörung über den Umgang der Justiz mit Fällen sexueller Gewalt gegen Minderjährige. Am 22. Juni gab der Justizminister eine erste Bewertung der Operation bekannt und berichtete von 1.243 Festnahmen im Zusammenhang mit Straftaten gegen Minderjährige in der vergangenen Woche.
Ein Fall, der zum Symbol kollektiven Versagens geworden ist.
Für Rosas Mutter ist Lyhannas Tod nicht einfach die Folge einer Verzögerung in der Verwaltung. Sie prangert ein Versagen des Schutzes an. Ihr Anwalt spricht von einem Justizfiasko und kritisiert Ermittler, Staatsanwälte, den Staat und den Justizminister. Im laufenden Verfahren soll nun geklärt werden, ob die Behörden strafrechtliche oder administrative Fehler begangen haben, indem sie Rosas Anschuldigungen nicht schnell genug nachgingen. Bis zum Abschluss des Verfahrens gilt Jérôme Barella weiterhin als unschuldig. Die Anklagepunkte sind noch nicht endgültig geklärt. Die Anzeige von Rosas Mutter eröffnet eine neue Dimension in einem Fall, der sich bereits zu einem der brisantesten des Jahres entwickelt hat.