img_6066.jpg
Canal+ wurde verklagt, nachdem das Unternehmen Unterzeichner eines Bolloré-kritischen Meinungsartikels ins Visier genommen hatte.

Canal+ muss sich vor Gericht verantworten. Die Liga für Menschenrechte und die Gewerkschaft CGT Spectacle haben angekündigt, den Medienkonzern wegen Diskriminierung zu verklagen. Anlass waren Äußerungen von Maxime Saada, dem Geschäftsführer von Canal+. Der Fall geht auf die Filmfestspiele von Cannes zurück. Als Reaktion auf einen Meinungsbeitrag, der Vincent Bolloré und seinen Einfluss auf das französische Kino kritisierte, erklärte der Canal+-Manager, er wolle nicht länger mit den Filmschaffenden zusammenarbeiten, die den Text unterzeichnet hatten. 

Ein Satz, der das französische Kino entfacht

Der offene Brief, veröffentlicht vom Kollektiv „Zapper Bolloré“, prangerte den wachsenden Einfluss des Milliardärs in verschiedenen Kulturbereichen an, darunter Medien, Verlagswesen und Film. Darin wurde auch Besorgnis über Canal+s Beteiligung an UGC geäußert, mit der Aussicht auf eine umfassendere Übernahme ab 2028. Maxime Saadas Erklärung, Canal+ wolle nicht länger mit den Unterzeichnern zusammenarbeiten, löste eine heftige Kontroverse aus. Für die Organisationen hinter der Klage läuft diese Haltung auf den Ausschluss von Filmschaffenden aufgrund ihrer Meinungen und öffentlichen Äußerungen hinaus. 

Eine Herausforderung für die Meinungsfreiheit

Die Angelegenheit ist umso heikler, als Canal+ eine zentrale Rolle bei der Finanzierung des französischen Kinos spielt. Der Konzern wird regelmäßig als einer der wichtigsten Geldgeber der Branche präsentiert, was jeder Entscheidung, die Zusammenarbeit mit bestimmten Künstlern, Regisseuren, Produzenten oder Technikern zu beenden, besonderes Gewicht verleiht. Die LDH (Liga für Menschenrechte) und die CGT Spectacle (eine französische Gewerkschaft) fordern insbesondere, dass die Gerichte diese Entscheidung aufheben und jegliche Ausgrenzungsmaßnahmen oder Kooperationsverweigerungen gegen die Unterzeichner des offenen Briefes verhindern. Sie fordern außerdem Garantien, um künftige Diskriminierung zu verhindern. 

Eine fragwürdige Herangehensweise

Man könnte diesen Ansatz allerdings hinterfragen. Diejenigen, die Canal+ und Bolloré kritisieren, profitieren als Erste von deren Finanzierung. Konsequenterweise müssten sie jegliche direkte oder indirekte Förderung durch Canal+ und Bolloré ablehnen und sich anderweitig ihren Lebensunterhalt verdienen. Stattdessen beißen sie lieber die Hand, die sie füttert, und wagen es dann, sich zu beschweren, wenn der „Futternapf“ es nicht mehr duldet, angespuckt zu werden. Diese Krise spiegelt den Zustand des französischen Kinos wider, dessen Talentmangel nur noch von seiner schieren Unanständigkeit übertroffen wird.