In einem streng reglementierten Umfeld, in dem jegliche politische Forderungen sorgfältig vermieden werden, mag die Anwesenheit des Gewerkschaftsbundes im Werbekorso der Tour de France überraschend erscheinen. Diese Teilnahme ist jedoch weder anekdotisch noch neu. Seit 1947 nimmt die Gewerkschaft an der Veranstaltung teil und besetzt mittlerweile zwei Fahrzeuge im offiziellen Korso, der den Fahrern vorausfährt. Ohne direkte Vergütung melden sich jedes Jahr Aktivisten, um das Rennen zu begleiten und dreifarbige Kugelschreiber und andere Artikel mit dem CGT-Logo zu verteilen. Die Aktion wird als eine Form von Aktivismus und nicht als Freiwilligenarbeit präsentiert und soll die Gewerkschaft in die festliche Atmosphäre eines Ereignisses einbetten, das als große Volksmesse des Sommers gilt.
Eine historische, symbolische und tolerierte Präsenz
Die Organisation der Tour verleiht der CGT einen besonderen Status, der auf eine lange Geschichte zurückgeht: Während der Besatzungszeit setzte die Gewerkschaftszeitung „La Vie ouvrière“ ihre Aktivitäten heimlich fort, wobei einige ihrer Mitglieder für dieses Engagement mit dem Leben bezahlten. Im Gegenzug wäre die Anwesenheit der CGT in der Karawane als symbolische Anerkennung akzeptiert worden, was ihre besondere Rolle in der aktuellen Werbekampagne erklärt. Fernab jeglicher direkter Kommunikation führt die Gewerkschaft während des Rennens keine direkten Arbeitskampfmaßnahmen durch. Ihr Ziel ist es vielmehr, das Ereignis zu nutzen, um ihr Image in der Öffentlichkeit zu pflegen. Die Aktion ist vor allem eine Kommunikationsstrategie, die durch kontinuierliche Sichtbarkeit entlang der Straßen und die Verteilung von Material getragen wird, das den Kontakt über die Karawane hinaus erweitert. Auch wenn die Aktion inhaltlich diskret bleibt, entzieht sie sich nicht ihren sozialen Wurzeln. Bestimmte aktuelle Anliegen, insbesondere im Zusammenhang mit der laufenden Haushaltsreform und der von der Regierung geplanten Abschaffung der Feiertage, kursieren in den Gesprächen. Mit anderen Worten: Selbst in einem festlichen Rahmen bleiben soziale Spannungen nie völlig aus. Und die CGT beabsichtigt, im Blickfeld zu bleiben, indem sie ihre Präsenz dort aufrechterhält, wo niemand sie erwartet.