Jannik Sinner kehrt nach Dopingsperre nach Rom zurück und wird bei den Italian Open als Held empfangen
Jannik Sinner kehrt nach Dopingsperre nach Rom zurück und wird bei den Italian Open als Held empfangen

ROM — Eines der mit größter Spannung erwarteten Comebacks im Welttennis findet diese Woche in Rom statt: das von Jannik Sinner, heute Weltranglistenerster, der nach einer dreimonatigen Dopingsperre sein großes Comeback feiert. Sein Auftritt bei den Italian Open fällt mit einem weiteren historischen Ereignis in der italienischen Hauptstadt zusammen: dem Konklave zur Wahl eines neuen Papstes. Die Lokalpresse titelte daraufhin in Anlehnung an den berühmten „Habemus Papam“: „ Habemus Sinner ".

Dieses Turnier stellt eine Premiere für den italienischen Tennissport dar: Noch nie zuvor hat ein transalpiner Spieler als Weltranglistenerster das Masters 1000 in Rom erreicht. Der Eifer ist so groß, dass jede seiner Gesten mit der gleichen Aufmerksamkeit beobachtet wird, die man Kardinälen innerhalb der Mauern des Vatikans entgegenbringt.

Sinners Sperre, die aufgrund einer Einigung mit der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) verhängt worden war, endete am Montagmorgen offiziell. Der Spieler sollte mit einer öffentlichen Trainingseinheit im Campo Centrale, zu der 10 Zuschauer erwartet wurden, wieder an der Öffentlichkeit teilnehmen – eine Einheit, die sogar live im nationalen Fernsehen übertragen wurde.

Zuvor soll Sinner zusammen mit seinen Teamkollegen aus den italienischen Davis-Cup- und Billie-Jean-King-Cup-Teams geehrt werden, nachdem Italien 2024 in beiden Wettbewerben ein historisches Double holte.

Sinners letztes offizielles Spiel war sein Sieg bei den Australian Open im Januar. Die im Februar mit der WADA ausgehandelte Sanktion, nachdem er gegen eine ursprüngliche Entscheidung Berufung eingelegt hatte, die ihn vom Vorwurf einer versehentlichen Verunreinigung mit anabolen Steroiden freigesprochen hatte, warf Fragen auf, insbesondere da sie ihm erlaubt, den Wettkampfbetrieb zu Hause wieder aufzunehmen, ohne ein Grand-Slam-Turnier zu verpassen.

Einige Spieler auf der Tour glauben, dass die Strafe zu milde war. Doch in Rom dürfte die Kritik gedämpft ausfallen, insbesondere da sein größter Kritiker Nick Kyrgios beim Turnier fehlt.

Sinner ist ab der ersten Runde durch ein Freilos gesetzt und trifft am Freitag oder Samstag entweder auf den Argentinier Mariano Navone (Nummer 99 der Welt) oder auf die junge italienische Hoffnungsträgerin Federico Cinà (18), die von den Organisatoren eingeladen wurde.

Italien hofft auf eine Glanzleistung seines neuen Helden, nachdem es seit Adriano Panatta im Jahr 1976 keinen Sieg der Italiener in Rom erlebt hat.

Abgesehen von Sinner erlebt das italienische Tennis ein goldenes Zeitalter. Lorenzo Musetti ist in die Top 10 der Welt aufgestiegen, Matteo Berrettini findet zu seiner Form zurück, Matteo Arnaldi besiegt Novak Djokovic in Madrid und China vervielfachen sich die guten Ergebnisse.

Mit Djokovics Rückzug und Rafael Nadals Rücktritt richtet sich das ganze Rampenlicht auf Sinner. Titelverteidiger Alexander Zverev ist dabei, ebenso wie Carlos Alcaraz Platzhalterbild, erwartet nach seiner Niederlage in Madrid.

Bei den Damen verkörpert Jasmine Paolini die neue italienische Welle, im letzten Jahr Finalistin bei Roland Garros und Wimbledon. Und der 17-jährige Star Tyra Grant hat gerade ihren Wechsel der Sportnationalität bekannt gegeben: Sie zieht von den Vereinigten Staaten nach Italien. Als Tochter des ehemaligen amerikanischen Basketballspielers Tyrone Grant und einer italienischen Mutter besitzt sie eine Wildcard für die Italian Open.

In dieser Woche glänzt das italienische Tennis in Rom heller denn je. Und Jannik Sinner ist trotz der Kontroverse zweifellos ihr Bannerträger.