Aus dem Fernseher ertönt weiterhin eine klare, ruhige Stimme in Französisch. Télé Liban, der öffentlich-rechtliche Sender, sendet seine französischsprachigen Nachrichten, obwohl die militärische Eskalation zwischen Israel und der Hisbollah den Krieg immer näher an die Fenster der Hauptstadt bringt. Die Redaktion, die nach jahrzehntelanger Pause kürzlich wiedereröffnet wurde, ist – laut mehreren Berichten – die einzige im Land, die täglich auf Französisch sendet: eine Insel der Kontinuität inmitten von Alarm und Sirenengeheul. Man kann es sich gut vorstellen: sorgfältig formulierte Sätze, ein Teleprompter, Studiobeleuchtung und draußen eine Stadt, die den Atem anhält.
In den Studios schleicht sich die Erschöpfung in die Sendung ein, ohne dass sie jemals wirklich sichtbar wird. „Das ganze Team kann sich kaum noch auf den Beinen halten“, vertraut Chefredakteur Nidal Ayoub an und erinnert sich an eine Nacht, die von Explosionen aus Beirut überschattet wurde. Der Sender richtet seine Kameras weiterhin auf die südlichen Vororte, um die israelischen Bombenangriffe zu dokumentieren, während Reisen immer riskanter und die Berichterstattung immer schwieriger wird – manchmal ein Wettlauf gegen die Zeit. Sie arbeiten, sie warten, sie fangen wieder von vorne an. Simpel und erschreckend real.
Eine frankophone Veranstaltung, die nur durch pure Willenskraft zusammengehalten wurde
Die Eskalation ist messbar, beinahe quantifizierbar. Zwischen Dienstag- und Mittwochabend wurden bei drei israelischen Luftangriffen im Südlibanon mindestens neun Menschen getötet. Die israelische Armee ordnete zudem die Evakuierung von sieben Stadtvierteln in den südlichen Vororten Beiruts an – ein Zeichen dafür, dass sich der Druck weiter verschärfen könnte. Seit Herbst 2023 kommt es entlang der israelisch-libanesischen Grenze fast täglich zu Feuergefechten, vor dem Hintergrund des Gaza-Krieges und regionaler Spannungen. Die Gefahr eines Übergreifens der Konflikte auf andere Regionen schwebt wie ein ständiger Schatten über uns.
Ein weiterer, stillerer Kampf tobt: der Kampf um die Worte. Bei Télé Liban, wie auch in den staatlichen Medien, prägt der Krieg die redaktionellen Entscheidungen und internen politischen Weichenstellungen maßgeblich. So gibt es beispielsweise Richtlinien zum Vokabular: Die Behörden haben angeordnet, den Begriff „Widerstand“ im Zusammenhang mit der Hisbollah zu vermeiden. Informationsminister Paul Morcos bringt es auf den Punkt: „Im Libanon herrschen tiefgreifende Meinungsverschiedenheiten, die sich in Kriegszeiten tendenziell verschärfen.“ Zwischen der Angst vor Luftangriffen und der vorsichtigen Wortwahl erzählt diese französischsprachige Nachrichtensendung auch die Geschichte eines Landes auf der Suche nach seinem Gleichgewicht und eines öffentlich-rechtlichen Fernsehsenders, der sich Tag für Tag daran klammert.
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