In Vierzon (Cher) sollte der 10. Mai ein schlichter Gedenktag für den Nationalen Tag des Gedenkens an den Sklavenhandel, die Sklaverei und deren Abschaffung sein. Er wird nicht stattfinden. Die neue, als rechtsextrem geltende Gemeindeverwaltung hat die Veranstaltung abgesagt und begründet dies mit Sparmaßnahmen und der ihrer Ansicht nach unzureichenden Beteiligung in den vergangenen Jahren. Eine lokale Entscheidung mit nationaler Tragweite, da die Erinnerungsprozesse unweigerlich über das Rathaus hinausreichen.
In ihrer Begründung nennt das Rathaus geschätzte Kosten von 1.500 €. Yves Husté, stellvertretender Bürgermeister und zuständig für Veteranenangelegenheiten, betont zudem, dass dieses Datum seiner Meinung nach nicht zu den offiziellen nationalen Gedenktagen zählt. Das Problem liegt in einem Dekret vom 31. März 2006, das den 10. Mai als jährlichen Gedenktag festlegt. In diesem Punkt wirkt die administrative Argumentation wie ein Ausweichmanöver, und der Streit um Rechtstexte wandelt sich schnell zu einem Kampf um Symbole.
Eine Gedenkveranstaltung, die zu einem politischen Symbol wird
Als Reaktion auf die Absage wird eine Gegenoffensive organisiert. Nicolas Sansu, der kommunistische Abgeordnete des 2. Bezirks von Cher, bestreitet die finanzielle Begründung und prangert eine politische Entscheidung an. „Es kostet einen Blumenstrauß, ein Mikrofon, das draußen aufgestellt wird, und ein paar Worte“, erklärte er und warf der Gemeinde vor, einen Fehler im Umgang mit der Geschichte begangen zu haben. Dem Leser wird klar, dass es hier bei läppischen 1.500 Euro nicht nur um einen einzelnen Kostenpunkt geht; es geht darum, ob eine gemeinsame Erzählung überhaupt möglich ist.
Der gewählte Abgeordnete und seine Gegner haben angekündigt, dass die Kundgebung am Sonntag um 11:00 Uhr auf dem Place Aimé Césaire in Vierzon stattfinden wird. Ziel sei es, so Nicolas Sansu, an die Geschichte der Sklaverei und Kolonialisierung zu erinnern, „um zu verdeutlichen, dass es keine Rassen gibt“. Christelle Césaire, Großnichte von Aimé Césaire und Einwohnerin von Vierzon, wird Gedichte des martinikanischen Schriftstellers vortragen – ein Versuch, die Literatur wieder in den Mittelpunkt zu rücken, während die Politik allgegenwärtig ist.
Eine beständige Realität, die weit über Vierzon hinausreicht: Gedenken ist niemals bloße Formalität; es hat seinen Preis in Entscheidungen, in Anwesenheit und auch in Abwesenheit. Zwischen angeblichen Budgetkürzungen, Debatten über den republikanischen Kalender und der Mobilisierung von Gegnern bietet die Stadt einen Mikrokosmos dieser französischen Spannungen, in dem das Gedenken zum Test des gesellschaftlichen Zusammenhalts wird. Am Sonntag werden auf dem Place Aimé Césaire Silhouetten und Worte das ausdrücken, was die abgesagte Zeremonie nicht vermag.
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