Nach einer Reihe von Selbstmorden unter Teenagern wird eine Sammelklage gegen TikTok eingereicht.
Nach einer Reihe von Selbstmorden unter Teenagern wird eine Sammelklage gegen TikTok eingereicht.

Sechzehn Familien reichten am Montag bei der Pariser Staatsanwaltschaft eine Sammelklage gegen TikTok ein. Sie werfen der Plattform vor, durch ihr Empfehlungssystem mehrere Minderjährige psychisch geschädigt zu haben. Die Kläger behaupten insbesondere einen möglichen „Ausnutzen der Schutzbedürftigkeit“ der Betroffenen und argumentieren, dass der Algorithmus des sozialen Netzwerks die wiederholte Konfrontation mit Inhalten fördert, die mit Depressionen, Essstörungen oder Suizidgedanken in Verbindung stehen.

Insgesamt haben sich 39 Personen der von der Gruppe „Algos Victima“ angestrengten Klage angeschlossen. Fünf Familien geben an, eine Tochter durch Suizid verloren zu haben, während andere von Fällen von Magersucht, schwerer Depression oder selbstzerstörerischem Verhalten bei ihren Kindern berichten. Die Eltern prangern Jugendliche an, die zunehmend in einem Strom immer angstauslösenderer oder gefährlicherer Videos gefangen sind.

Algorithmen sozialer Medien im Zentrum der Anschuldigungen

Laut Anwältin Laure Boutron-Marmion, die die Familien vertritt, hat TikTok durch sein System zur Inhaltspersonalisierung die psychische Verletzlichkeit einiger junger Nutzer verschärft. Mehrere Zeugenaussagen beschreiben Teenager, die wiederholt Videos ausgesetzt waren, welche extreme Dünnheit, Selbstverletzung oder psychische Belastung verherrlichten.

Diese Beschwerde erfolgt vor dem Hintergrund verstärkter Kontrollen großer digitaler Plattformen. Bereits im Oktober 2025 leitete die Pariser Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen das chinesische soziale Netzwerk wegen der möglichen Verbreitung von Inhalten mit Bezug zu Suizid unter Minderjährigen ein. Soziale Netzwerke stehen seit Jahren regelmäßig in der Kritik, Suchtverhalten, insbesondere unter Jugendlichen, zu fördern.

TikTok reagierte nach Einreichung der Beschwerde zunächst nicht. Das Verfahren könnte jedoch die Debatte über die rechtliche Verantwortung von Plattformen und die Rolle von Algorithmen für die psychische Gesundheit junger Nutzer neu entfachen, insbesondere da in mehreren Ländern strengere Regulierungen für soziale Medien erwogen werden.

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