Der Konflikt zwischen Ryanair und der französischen Regierung endete letztlich nur mit einer halben Maßnahme. Nachdem die irische Fluggesellschaft aus Protest gegen die drastische Erhöhung der Flugticketsteuer mit der Einstellung von zehn französischen Regionalverbindungen gedroht hatte, ruderte sie nun zurück. Die Fluggesellschaft wird natürlich in Frankreich bleiben, ihre Flüge in diesem Jahr jedoch um „4 bis 5 Prozent“ reduzieren, so ihr legendärer Chef Michael O’Leary. Der Grund für diesen relativen Rückgang? Der französische Markt sei schlicht „nicht wettbewerbsfähig“, erklärt er unverblümt und vergleicht die französische Stagnation mit dem italienischen Boom: „In Italien befördern wir derzeit 65 Millionen Passagiere, in Frankreich waren es in diesem Jahr nur 11 Millionen.“
Eine Steuer, die die Regionen teuer zu stehen kommt
Im Mittelpunkt der Kontroverse steht die berühmte Solidaritätssteuer auf Flugtickets (TSBA), deren Preis in diesem Jahr explodierte und von 2,63 Euro auf 7,40 Euro pro Passagier für europäische Flüge stieg. Eine Steuerentscheidung, die Ryanair für absurd hält. Als Beispiele für die konkreten Folgen dieser Politik nennt das Unternehmen die angekündigte Schließung seiner Basis in Bordeaux und den geplanten Rückzug vom Flughafen Vatry in der Region Marne. Die französischen Regionalflughäfen, die stark von Billigfliegern abhängig sind, befürchten das Schlimmste. Beauvais, Carcassonne, Béziers und Nîmes leben mittlerweile fast ausschließlich vom Verkehr dieser Billigfluggesellschaften.
Für Michael O'Leary ist der französische Widerspruch eklatant: „Wir können nicht von Europa mehr Wettbewerbsfähigkeit verlangen, während wir auf nationaler Ebene die Steuern auf Flugtickets bis zum Gehtnichtmehr erhöhen“, erklärt er und prangert nebenbei die französische Haushaltsdisziplin an. Ryanair bleibt daher, wenn auch nicht ohne Bitterkeit, bereit, seine Aktivitäten schrittweise zu reduzieren, wenn der Druck nicht nachlässt.