Französische Gefängnisse beherbergten am 1. Mai 2026 88.654 Häftlinge – ein beispielloser Wert, wie aus den neuesten Daten des Justizministeriums hervorgeht. Innerhalb eines Jahres stieg die Gefängnispopulation um fast 5.000 Personen (+5,9 %), während die Zahl der verfügbaren Plätze lediglich um 1,2 % zunahm. Die Gesamtauslastung der Gefängnisse erreichte damit 140 % und bestätigt die chronische Überbelegung, die von Fachleuten im Justizsektor regelmäßig angeprangert wird.
Die Lage ist besonders kritisch in Untersuchungshaftanstalten, in denen sowohl Untersuchungshäftlinge als auch Personen mit kurzen Haftstrafen untergebracht sind. Deren Belegungsrate liegt bei 172,6 %, in 33 Einrichtungen sogar bei über 200 %, was bedeutet, dass mehr als zwei Häftlinge auf jeden verfügbaren Platz kommen. In einigen Regionen, insbesondere in der Île-de-France, im Raum Toulouse und in den Überseegebieten, ist der Druck noch größer.
Tausende Gefangene ohne Betten
Ein weiterer besorgniserregender Indikator: Die Zahl der Matratzen, die in den Zellen auf dem Boden liegen, steigt weiter. Zum 1. Mai schliefen 7.693 Gefangene ohne Bett – ein Anstieg von 47 % innerhalb eines Jahres. Diese Verschlechterung der Haftbedingungen stößt auf Kritik von Fachorganisationen und europäischen Institutionen. Bereits Anfang des Jahres warnte der Europarat vor der Gefahr, dass französische Gefängnisse zu „Menschenlagern“ verkommen könnten, und hob dabei Überbelegung, unhygienische Zustände und Gewalt hervor.
Angesichts dieser Krise bereitet die Regierung einen Gesetzentwurf zur Bekämpfung der Gefängnisüberbelegung und zur Abschaffung der Praxis vor, auf Matratzen auf dem Boden zu schlafen. Justizminister Gérald Darmanin schließt jedoch jegliche Regelung der Gefängnisaufnahmen nach deutschem Vorbild aus. Das Justizministerium plant außerdem, bis 2027 3.000 zusätzliche Plätze in Modulgefängnissen zu schaffen, während das 2018 gestartete nationale Programm zur Schaffung von 15.000 Gefängnisplätzen weiterhin deutlich hinter dem Zeitplan liegt.
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