Da neue Züge nicht rechtzeitig geliefert werden, verlängert die SNCF die Nutzungsdauer ihrer älteren Triebzüge. Rund hundert über dreißig Jahre alte TGVs werden umfassend modernisiert, um ihren Betrieb um bis zu fünfzehn Jahre zu ermöglichen.
Der erste modernisierte Zug nahm am Montag, dem 23. Februar, seinen Betrieb wieder auf. Für die Fahrgäste war kein Unterschied erkennbar. Sitze, Teppiche, Beleuchtung – alles sah aus wie neu. Dabei hatte der Zug fast 14 Millionen Kilometer auf dem Tacho und war erstmals 1990 in Betrieb genommen worden.
Eine industrielle Baustelle im technischen Zentrum Landy
Diese Züge werden im Instandhaltungswerk Landy in Seine-Saint-Denis komplett überholt. Die Waggons werden neu lackiert, das Fahrgestell gegen Korrosion behandelt und verschlissene Teile ausgetauscht. Teppiche werden erneuert, beschädigte Sitze ersetzt, Klapptische überholt und Steckdosen repariert. Die Beleuchtung wird mit energieeffizienteren und langlebigeren LEDs modernisiert.
Die noch funktionsfähigen Teile werden gereinigt und überholt. Andere stammen aus außer Dienst gestellten TGVs. Ziel ist es, die vor über drei Jahrzehnten konstruierten Züge in einen nahezu neuwertigen Zustand zu versetzen. Dieses Programm stellt eine Investition von 2,5 Millionen Euro pro Zug dar. Eine beträchtliche Summe, aber nichts im Vergleich zu den Kosten eines neuen TGV, die auf rund 35 Millionen Euro geschätzt werden.
Eine wirtschaftliche und strategische Entscheidung
Insgesamt sollen 104 Triebzüge modernisiert werden. Die SNCF hebt ihre außergewöhnliche Branchenexpertise hervor, die es ermöglicht, die Nutzungsdauer einiger Züge auf bis zu 50 Jahre zu verlängern. Eine derart lange Nutzungsdauer ist im globalen Eisenbahnsektor ungewöhnlich.
Diese Strategie trägt auch praktischen Einschränkungen Rechnung. Die neue Generation von Hochgeschwindigkeitszügen (TGVs), die ursprünglich für 2023 erwartet wurde, verzögert sich aufgrund von Lieferverzögerungen und wird voraussichtlich erst ab diesem Sommer schrittweise in Betrieb genommen. In der Zwischenzeit ermöglicht die Modernisierung den ununterbrochenen Betrieb des Schienennetzes und begrenzt gleichzeitig die unmittelbaren Investitionsausgaben. Nach Smartphones und Haushaltsgeräten werden nun auch generalüberholte Produkte im Schienenverkehr eingesetzt. Dies ist eine pragmatische Lösung, um die Lebensdauer bestehender Ausrüstung zu verlängern und Produktionsverzögerungen auszugleichen, ohne dass die Fahrgäste dies überhaupt bemerken.