Landhaus oder Stadtwohnung – der ökologische Fußabdruck stellt vorgefasste Meinungen in Frage
Landhaus oder Stadtwohnung – der ökologische Fußabdruck stellt vorgefasste Meinungen in Frage

Das Leben in einem großen Haus inmitten der Natur gilt oft als umweltfreundlicher als das Wohnen in einer Stadtwohnung. Diese Vorstellung ist verlockend. Doch eine aktuelle Studie der Immobilienplattform Jinka legt nahe, diese Annahme zu überdenken. Die Plattform analysierte Immobilienanzeigen der letzten zwei Monate und verglich den CO₂-Fußabdruck und den Energieverbrauch der Häuser im Verhältnis zur Anzahl der Bewohner. Die Ergebnisse sind überraschend.

Paris, grüner als erwartet

Anders als oft angenommen, ist das Leben in Paris nicht automatisch gleichbedeutend mit einer Umweltkatastrophe. Trotz eines veralteten Wohnungsbestands und zahlreicher energieineffizienter Gebäude liegt die Hauptstadt im nationalen Vergleich hinsichtlich des CO₂-Fußabdrucks pro Kopf im Mittelfeld.

Die Wohndichte spielt hier eine entscheidende Rolle. Wohnungen sind kleiner und werden oft von mehreren Personen bewohnt, was den Energieverbrauch pro Kopf reduziert. Anders ausgedrückt: Eine ältere Wohnung, selbst eine mit geringerer Energieeffizienz, kann einen geringeren Einfluss haben als ein großes, nur spärlich bewohntes Haus.

Die größte Schwäche bleibt der Zustand des Wohnungsbestands. Die schrittweisen Verbote der Vermietung von Wohnungen der Energieeffizienzklasse G erschweren zwar den Zugang zu Wohnraum, schaffen aber gleichzeitig einen starken Anreiz für Sanierungen. Laut Jinka kann die Stabilität des Pariser Mietmarktes die Amortisation von Investitionen in Energieeffizienzmaßnahmen erleichtern.

Der Süden, der Champion… unter bestimmten Bedingungen

Wenig überraschend schneiden die südlichen Départements am besten ab. Weniger Heizbedarf, kürzere Winter und oft neuere Wohngebäude tragen zu ihren besseren Ergebnissen bei. Var, Korsika und Aude führen die Liste der CO₂-Emissionen pro Kopf an. Auch beim Energieverbrauch liegen Korsika, Hérault und Pyrénées-Orientales an der Spitze.

Das Klima erklärt einen Großteil dieses Vorteils. In diesen Regionen wird durchschnittlich nur drei Monate im Jahr geheizt, im Vergleich zu sechs bis sieben Monaten im Nordosten. Doch dieses Modell ist fragil. Steigende Sommertemperaturen begünstigen den Einsatz von Klimaanlagen, die energieintensiv sind und Schadstoffe freisetzen. Das ökologische Gleichgewicht könnte sich schnell verschlechtern, wenn diese Praktiken weit verbreitet sind.

Zentralfrankreich in Schwierigkeiten

Umgekehrt hebt die Studie eine zentrale Region hervor, die besonders benachteiligt ist. Die Départements Cantal, Creuse, Meuse und Haute-Marne weisen einen hohen Energieverbrauch und hohe Emissionen pro Kopf auf. Lange Winter, die nach wie vor häufige Nutzung von Heizöl oder Holz sowie die Dominanz großer, schlecht isolierter Altbauten tragen maßgeblich zu diesem Gesamtbild bei.

Die geringe Bevölkerungsdichte verstärkt dieses Phänomen. Ein großes Haus, das nur von wenigen Personen bewohnt wird, verursacht einen hohen CO₂-Fußabdruck, selbst wenn seine Energieeffizienzklasse nicht katastrophal ist. Renovierungskosten in diesen Gebieten sind jedoch für Haushalte mit geringer Kaufkraft oft unerschwinglich.

Die Studie unterstreicht, dass die Energieeffizienz-Zertifizierung allein nicht ausreicht, um die tatsächlichen Umweltauswirkungen eines Gebäudes zu erfassen. Die Größe des Grundstücks und die Anzahl der Bewohner sind gleichermaßen wichtig. Ein bescheidenes, dicht bewohntes Haus kann umweltfreundlicher sein als ein großes, energieeffizientes Haus, das nur unzureichend genutzt wird. Wohnen auf dem Land ist daher nicht automatisch die ökologisch beste Option. Der ökologische Fußabdruck eines Wohngebäudes hängt weniger von der Lage als vielmehr von der Kombination aus Fläche, Bebauungsdichte und Nutzung ab.