Spanien und die katholische Kirche einigen sich auf einen Entschädigungsmechanismus für verjährten sexuellen Missbrauch.
Spanien und die katholische Kirche einigen sich auf einen Entschädigungsmechanismus für verjährten sexuellen Missbrauch.

Nach jahrelangem Stillstand haben der spanische Staat und die katholische Kirche eine Vereinbarung getroffen, die Entschädigungen für Opfer sexuellen Missbrauchs durch Geistliche vorsieht, auch wenn die Fälle nicht mehr strafrechtlich verfolgt werden können. Der Mechanismus zielt vor allem auf Fälle ab, deren Verjährungsfrist abgelaufen ist und die lange Zeit ohne institutionelle Reaktion blieben. Er stellt einen Bruch mit der bisherigen Haltung der Kirchenhierarchie dar, die sich geweigert hatte, finanzielle Entschädigungen in Abstimmung mit den staatlichen Behörden zu leisten.

Das vom Justizministerium und der Bischofskonferenz unterzeichnete Abkommen basiert auf einer vollständigen finanziellen Zusage der Kirche, ohne jegliche staatliche Unterstützung. Die spanische Regierung präsentiert dieses Abkommen als offizielle Anerkennung des über Jahrzehnte angehäuften moralischen Schadens in einem Land, in dem die Enthüllungen verspätet und bruchstückhaft ans Licht kamen.

Ein beispielloser Mechanismus außerhalb des Justizrahmens

Das System sieht vor, dass sich Opfer an den Ombudsmann wenden, der die angemessene Wiedergutmachung festlegt. Diese kann finanzieller, psychologischer, symbolischer oder kumulativer Natur sein. Im Falle einer Uneinigkeit entscheidet ein gemeinsames Gremium aus Vertretern des Staates, der Kirche und der Opfer. Die endgültige Entscheidung trifft der Ombudsmann. Die Entschädigung ist steuerfrei, um Abzüge von den zugesprochenen Beträgen zu vermeiden.

Die Opferverbände begrüßten dies als wichtigen Fortschritt und sind überzeugt, dass der Mechanismus endlich langjährige Forderungen erfüllt. Laut einem 2023 veröffentlichten Parlamentsbericht könnte die Zahl der Betroffenen seit den 1940er Jahren mehrere Hunderttausend erreichen – eine Zahl, die von der Kirche bestritten wird, aber dennoch zum politischen Druck beitrug, der schließlich zu dieser Vereinbarung führte.