Eine Zugreise durch Europa klingt unglaublich verlockend. Man kann sich vorstellen, wie man ohne Flughafenschlangen oder Anschnallen im Flugzeug nach Barcelona, Rom oder Lissabon rast. Doch ein Bericht des Climate Action Network vom Dienstag, dem 21. April, zeichnet ein weniger rosiges Bild: Von Frankreich aus ist die Verbindung mehrerer europäischer Großstädte nach wie vor kompliziert. Gründe dafür sind fehlende Direktverbindungen, mangelnde Übersichtlichkeit bei SNCF Connect und Umstiege, die selbst bei geringsten Verspätungen teuer werden können.
Der Verband untermauerte seine Behauptungen mit Zahlen und verglich die Bahnverbindungen mit stark frequentierten Flugrouten. Von den 31 Strecken ab Frankreich, die 2024 mehr als eine Million Passagiere beförderten, boten nur neun eine direkte Zugverbindung. 18 erforderten mindestens einen Umstieg, und vier wären an einem Tag nicht „zumutbar“ zu bewältigen. Die Strecke Paris–Lissabon ist hierfür ein gutes Beispiel: Bis zu vier Umstiege können einen Wochenendausflug in einen anstrengenden Reisetag verwandeln.
Wenn die Buchung zum Hindernislauf wird
Auf den Hauptstrecken ist das Ungleichgewicht eklatant, insbesondere nach Spanien, Italien und Großbritannien. Der Bericht nennt als Beispiel die Strecke Paris–Barcelona, wo die Kapazität der Bahn weit hinter der des Flugverkehrs zurückbleibt, als ob die Bahn immer noch im Schatten der Fluggesellschaften stünde. Außerhalb von Paris nehmen die Direktverbindungen – bis auf wenige Ausnahmen – rapide ab. Und das allmähliche Verschwinden der internationalen Nachtzüge, jener diskreten, aber langjährigen Helfer, die den Fahrgästen ständiges Umsteigen ersparten, nimmt Reisenden, die lieber schlafen als zwischen den Bahnsteigen hetzen wollten, eine wichtige Option.
Das heikle Thema bleibt: der Ticketkauf. Das Climate Action Network kritisiert SNCF Connect, die laut dem Verband wichtigste Verkaufsplattform in Frankreich, über die rund 85 % aller Tickets gekauft werden. Dem Bericht zufolge werden viele grenzüberschreitende Fahrten mit Betreiberwechsel fehlerhaft oder gar nicht angezeigt. Von 18 untersuchten Anschlussverbindungen sind elf in der App nie sichtbar, sechs nur teilweise und nur eine wird durchgehend angezeigt. Strecken wie Paris–Rom und Paris–Madrid werden besonders kritisiert: Ohne durchgehendes Ticket oder garantierte Verbindungen entstehen Reisenden zusätzliche Kosten, wenn sie aufgrund einer Verspätung ihren Anschluss verpassen.
Letztendlich geht es hier weniger um Umweltfragen als vielmehr um eine Erinnerung an den gesunden Menschenverstand: Undurchsichtige Reisepläne, unzählige Umstiege und eine finanzielle Belastung für die Passagiere werden die breite Öffentlichkeit nicht vom Fliegen abhalten. Der Bericht hebt neben mangelndem Service auch fehlende Organisation hervor, gerade in einer Zeit, in der Züge oft als logische Alternative für mittlere Distanzen gelten. Das europäische Potenzial der Bahn ist vorhanden, doch es fehlt noch an einem optimal ausgebauten Schienennetz – einem Netz, das es ermöglicht, ohne langes Rechnen, ohne Zögern und vor allem ohne stundenlanges Aktualisieren einer App zu buchen.
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