Im Jahr 1997 verhörten Gendarmen Jugendliche aus Combrée in ihren Häusern. Der Fall ist ernst: Verdacht auf Vergewaltigung und sexuelle Nötigung an einer Privatschule, der einem Internatsleiter zugeschrieben wird. Sonst nichts. Kein Prozess, kein Artikel, keine bekannten Folgemaßnahmen. Eine ganze Untersuchung, weg. Kein Wort in den Aufzeichnungen, keine klaren Erinnerungen in den offiziellen Memoiren. Als ob diese Affäre, obwohl von mehreren ehemaligen Schülern erwähnt, nie existiert hätte. Jean-Louis Tabouret, Bürgermeister der Stadt zwischen 2001 und 2008, wurde über diese Tatsachen nie informiert, obwohl das College während seiner Amtszeit endgültig geschlossen wurde. Zahlreichen Zeugenaussagen zufolge wurde die Einrichtung, die inzwischen zu einem Jugendintegrationszentrum umgebaut wurde, dennoch von der Polizei aufgesucht. Letztere erwähnen, dass die Befragungen bei ihnen zu Hause und oft unter Aufsicht der Eltern durchgeführt wurden, was jegliches Geständnis unmöglich machte. Die Opfer verstummten und waren wie gelähmt.
Ein kollektives Gedächtnis gelöscht
Die Anhörungen richteten sich überwiegend gegen Tagesschüler, während die Mehrzahl der gemeldeten Übergriffe angeblich in Internaten oder bei Aufenthalten in den Bergen stattfand. Das Unbehagen ist spürbar: Manche erwähnen, dass es ihnen nicht möglich sei, in Gegenwart ihrer Eltern zu sprechen. Der Präsident der Combrée Alumni Association erinnert sich an die Turbulenzen dieser Zeit, doch die Fakten scheinen nie vor Gericht angekommen zu sein. Der zum Zeitpunkt der Ereignisse amtierende Staatsanwalt von Angers, Éric Bouillard, fand keinerlei Spuren der Ermittlungen. Er gibt zu, dass er sich nicht erinnert und schließt keine Hypothese aus. Selbst die kürzlich vernommenen ehemaligen Gendarmen von Pouancé haben keine Erinnerung an diese Affäre. Eine kollektive Auslöschung, freiwillig oder nicht. Und dennoch bleiben Elemente bestehen. In den Jahren 2016 und 2019 wurden zwei Klagen wegen ähnlicher Sachverhalte eingereicht, doch die Verjährungsfrist schränkte ihren gerichtlichen Spielraum ein. Sie weisen allerdings darauf hin, dass die Vorwürfe nicht neu seien. Zwei weitere ehemalige Schüler gaben an, damals versucht zu haben, Alarm zu schlagen, seien jedoch nicht gehört worden. Einer von ihnen wurde von einem Schuldirektor bedroht, der andere von der Polizei selbst entmutigt.
Ein spätes, aber entschlossenes Erwachen
Im April 2025 wagte Henri den Schritt: Er erstattete Anzeige wegen Vergewaltigung. Einige Tage später folgte ihr Esther, ein mutmaßliches Opfer Anfang der 1980er Jahre. Rechtsanwalt Romaric Raymond sammelt nun weitere Beweise, um eine Sammelklage vorzubereiten. Die Staatsanwaltschaft Angers hat eine neue Untersuchung eingeleitet und die Gendarmerie damit betraut. Die Ermittlungen weiten sich aus: Auch die Ehefrau des Beschuldigten, eine Tagesmutter, könnte Gegenstand der Ermittlungen sein. In Dinard, wo der Mann bis 2006 als Internatsleiter tätig war, hat das Institut Solacroup einen Zeugenaufruf gestartet. Der 79-jährige Tatverdächtige befindet sich seit mehreren Monaten im Krankenhaus. Es gilt die Unschuldsvermutung. Doch dieses Mal werden die Zungen gelöst, die Archive durchforstet und die Gerechtigkeit versucht, XNUMX Jahre des Schweigens zu füllen.