Seit dem Herbst hat die Europäische Union ihre Systeme grundlegend umgestellt. Die altmodischen Stempel gehören der Vergangenheit an und wurden durch ein digitales Registrierungssystem ersetzt, das Identitäts- und biometrische Daten sowie Ein- und Ausreisedaten erfasst. Laut Kommission wurden dadurch in den letzten sechs Monaten über 27.000 Personen die Einreise in die Europäische Union verweigert, darunter 700, die als „Sicherheitsrisiko“ eingestuft wurden. Brüssel gibt an, bereits über 52 Millionen Ein- und Ausreisen registriert zu haben – ein Beweis für ein System, das schnell arbeitet, manchmal sogar zu schnell für diejenigen, die ohne die passenden Unterlagen am Schalter erscheinen.
70 Sekunden pro Person, und manchmal eine Einwegfahrt
Das neue System richtet sich an Drittstaatsangehörige – also Personen, die weder die Staatsangehörigkeit eines EU-Mitgliedstaates noch die von Island, Liechtenstein, Norwegen oder der Schweiz besitzen – für Kurzaufenthalte von maximal 90 Tagen. Das Verfahren kombiniert Online-Registrierung, Vorregistrierung an einem Kiosk und anschließende Polizeikontrolle. Die Registrierung eines Reisenden soll durchschnittlich nur 70 Sekunden dauern. Brüssel hebt die schnelleren Kontrollen, die bessere Erkennung von Aufenthaltsüberschreitungen und die verstärkte Sicherheit an den Außengrenzen hervor. Gleichzeitig werden Einreiseverweigerungen und Rückführungen weiterhin von NGOs und europäischen Institutionen genau beobachtet, die regelmäßig sogenannte Pushback-Praktiken in verschiedenen sensiblen Bereichen anprangern. Europa bewegt sich auf einem schmalen Grat zwischen vermeintlicher Effizienz und der Wachsamkeit hinsichtlich der Einhaltung der Gesetze. Immer wieder stellt sich die Frage: Welche langfristigen Auswirkungen wird dieser neue Filter in der Praxis haben?
Gemeinschaft
Bemerkungen
Die Kommentarfunktion ist geöffnet, aber vor Spam geschützt. Beiträge und Kommentare mit Links werden manuell geprüft.
Sei der Erste, der diesen Artikel kommentiert.