Fall Le Scouarnec: Die Nationalversammlung leitet eine Schnelluntersuchung ein, um Gesetzeslücken aufzudecken.
Fall Le Scouarnec: Die Nationalversammlung leitet eine Schnelluntersuchung ein, um Gesetzeslücken aufzudecken.

Am Mittwoch, dem 8. April, leitete die Nationalversammlung eine beschleunigte Untersuchung im Fall von Joël Le Scouarnec ein, einem ehemaligen Chirurgen, der wegen sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen zu 20 Jahren Haft verurteilt wurde. Vier weibliche Parlamentsmitglieder, darunter die Grünen-Abgeordnete Sandrine Rousseau, die ihre Absicht bekundete, „die systemische Natur dieser Gewalt anzugehen“, werden als Ko-Berichterstatterinnen fungieren.

Die Idee ist auf dem Papier einfach, in der Praxis jedoch gewaltig: zu verstehen, wie Übergriffe über Jahre hinweg im Umfeld einer Fachkraft, die mit Kindern zu tun hat, ungehindert weitergehen konnten, in einem Land, das dennoch Verfahren, Berichte und Kontrollbehörden anhäuft.

Ignorierte Warnungen, fehlende Kontrollen: Der Staat konfrontiert seine blinden Flecken

Im Zentrum der Ermittlungen steht eine beunruhigende Frage: Wer hat es gesehen, wer wusste davon, wer hat weggesehen? Sandrine Rousseau prangert „gravierende Versäumnisse“ an und nennt die Justiz, das Gesundheitsministerium, Krankenhäuser und die Ärztekammer – allesamt Institutionen, die eigentlich bei geringstem Verdacht greifen sollten. Geplant sind rund fünfzehn Anhörungen, zunächst mit den Opfern, dann mit Journalisten, der Ärztekammer, der Kriminalpolizei und den am Prozess Beteiligten. Ziel ist es, Gesetzesvorschläge und einen Gesetzentwurf zu erarbeiten, der „im September oder Oktober“ beraten und noch vor Ende der laufenden Legislaturperiode geprüft werden soll.

Auch die Frage der Strafen stellt sich, da Le Scouarnec ab 2030 eine Anpassung beantragen kann. Rousseau ist der Ansicht, dass Serienvergewaltiger nicht „wie Serienmörder“ behandelt werden: Wenn das Parlament sein Ziel erreichen will, muss es über das Krankenhaus hinausblicken und Regeln festlegen, die in allen Institutionen gelten, in denen Minderjährige mit Erwachsenen in Autoritätspositionen in Kontakt kommen.

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