In Marseille haben Glanz und Glamour ihre Verstecke verlassen und reihten sich ordentlich unter den Neonlichtern eines Auktionshauses auf. Im Handelsgericht wurden 350 Luxusartikel, die in Gerichtsverfahren wegen Drogenhandels und Geldwäsche beschlagnahmt worden waren, mit den Hammerschlägen des Auktionators wieder auf den Markt gebracht. Uhren, Schmuck, Goldmünzen, Taschen, Kleidung – alles, was glänzt und sich schnell verkauft, alles, was auch die Geschichte einer bestimmten Schattenwirtschaft erzählt, einer Wirtschaft, die bar bezahlt und in Schaufenstern ausgestellt wird.
Dieser Mechanismus hat einen Namen: AGRASC, die Behörde, die dafür zuständig ist, die Erträge aus Ermittlungen in den legalen Rahmen zu überführen. Die Idee klingt simpel, ist aber in ihrer Zielsetzung weitreichend: Vermögenswerte aus illegalen Aktivitäten sollen in regulierte Einnahmen umgewandelt werden, wobei ein Teil des Erlöses den Opfern zugutekommt. Sowohl vor Ort als auch online verfolgten die Menschen die Auktionen, ohne sich unbedingt um die Geschichte der Gegenstände zu kümmern, solange die Beschlagnahme von den Gerichten formell anerkannt wurde.
Eine Uhr im Wert von 54.000 Euro, ein Symbol für den Krieg gegen das kulturelle Erbe.
Eine 54.000-Euro-Uhr – ein Symbol für den Krieg gegen das kulturelle Erbe. Das Stück, das für Aufsehen sorgte, war eine Weißgolduhr mit Saphiren und Diamanten, die für 54.000 Euro an einen Online-Käufer verkauft wurde. Charlotte Hemmerdinger, Generaldirektorin der AGRASC (Agentur für die Verwaltung und Rückgewinnung beschlagnahmter Vermögenswerte), bezeichnete sie als „streng vertrauliches Modell“, das im Zuge von Ermittlungen wegen Geldwäsche durch eine organisierte Gruppe beschlagnahmt worden sei, ohne jedoch auf die Details des Verfahrens einzugehen. Das Schauspiel ist beinahe beunruhigend: mitzuerleben, wie ein prestigeträchtiges Objekt von einer dubiosen Angelegenheit zu einer sauberen Transaktion mit Quittung und Rechnung wird.
Manche Käufer verhalten sich vor Ort distanziert. Sie sagen, die Herkunft interessiere sie nicht, da die Gerichte entschieden hätten und der Kauf legal sei. Ein Käufer einer 20.000 € teuren Uhr brachte die vorherrschende Philosophie sogar mit einem Wort auf den Punkt, das wie eine Rechtfertigung klingt: „Restitution“, eine Möglichkeit, diese Gelder wieder in die Wirtschaft zu investieren.
Laut dem Marseiller Staatsanwalt Nicolas Bessone sind diese Verkäufe in erster Linie ein Mittel, um dort zuzuschlagen, wo es am meisten schmerzt: beim Vermögen. Haft hinterlässt Spuren, doch Geldstrukturen, Finanzen, Rekrutierung, Korruption – und wenn es durch Beschlagnahmungen und Auktionen verschwindet, wird die Botschaft umso deutlicher. Der Verkauf in Marseille brachte Berichten zufolge über 1,5 Millionen Euro ein, und hinter diesen Zahlen verbirgt sich eine Strategie, die angesichts der Kosten für die Lagerung beschlagnahmter Güter und des Wertverlustrisikos ohne weitere Maßnahmen wohl noch an Bedeutung gewinnen wird. Eine unterschwellige Unruhe bleibt: Während der Staat die Luxusgüter der Schmuggler weiterverkauft, entfaltet sich ein langfristiger Kampf, fernab von Polizeidramen und mit dem alleinigen Fokus auf den Geldbeutel.
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