Apple nutzte seine große Herbst-Keynote am 9. September 2026, um einen Großteil seiner Produktpalette zu aktualisieren. iPhone 18 Pro, AirPods 5, Apple Watch Series 12 und Ultra 4: Die Ankündigungen waren zahlreich. Doch der Star des Abends war zweifellos das iPhone Duo, das erste faltbare Smartphone der Marke, das ein neues Kapitel für den kalifornischen Konzern aufschlägt.
Für seine erste große Konferenz als Apple-CEO ging John Ternus kein Risiko ein. Der neue Firmenchef präsentierte mehrere bedeutende Neuerungen für die etablierten Produkte der Marke, allen voran aber ein völlig neues Gerät. Nachdem Samsung, Honor, Google und Motorola den Markt für faltbare Smartphones lange Zeit dominiert hatten, steigt Apple nun endlich selbst in den Wettbewerb ein. Wie so oft ist das Unternehmen nicht der Erste auf dem Markt: Apple will erst dann präsent sein, wenn es überzeugt ist, ein ausreichend ausgereiftes Nutzererlebnis bieten zu können.
iPhone Duo: Apple setzt endlich auf das faltbare Smartphone

Es war das berühmte „Noch etwas“, das dieser Keynote eine ganz neue Dimension verlieh. Das iPhone Duo präsentiert sich im Buchformat: ein 5,4-Zoll-Außendisplay für den täglichen Gebrauch und ein 7,6-Zoll-Innendisplay, das das Smartphone im aufgeklappten Zustand in ein kleines Tablet verwandelt. Apple setzt dabei auf ein Titangehäuse, IP68-Zertifizierung und ein nanostrukturiertes Innendisplay, das Reflexionen minimiert und die Falte so unauffällig wie möglich gestaltet.
Apples Hauptverkaufsargument liegt aber wohl weniger in der Hardware als in iOS. Das System passt seine Benutzeroberfläche automatisch an, je nachdem, ob das Duo geschlossen, vollständig geöffnet, teilweise aufgeklappt oder im Zeltmodus positioniert ist. Zwei Apps können gleichzeitig auf dem Bildschirm angezeigt werden, und die Benutzeroberflächen ordnen sich beim Öffnen des Telefons neu an. Für Nutzer von faltbaren Android-Geräten ist das nichts Revolutionäres, aber Apple zielt eindeutig darauf ab, diese Nutzung innerhalb des eigenen Ökosystems reibungsloser und einheitlicher zu gestalten.
Ein spektakuläres Gerät… zu einem spektakulären Preis
Das Duo verfügt weiterhin über den A20 Pro Chip und zwei 48-Megapixel-Kameras und ermöglicht die Nutzung des externen Bildschirms als Monitor beim Fotografieren. Touch ID ist ebenfalls wieder in der Seitentaste integriert, Face ID fehlt bei diesem Modell jedoch. Das Smartphone unterstützt sogar den Apple Pencil per USB-C – ein Feature, das Apples Vision bestätigt, dass das faltbare Smartphone nicht nur ein einfaches Telefon, sondern auch ein Produktivitätstool sein soll.
Dieses technologische Vorzeigemodell hat allerdings seinen Preis: 2.339 € für 256 GB, 2.589 € für 512 GB, 3.089 € für 1 TB und bis zu 3.839 € für 2 TB. Zu diesem Preis zielt das iPhone Duo ganz klar nicht darauf ab, das faltbare Smartphone einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Apple positioniert es als Flaggschiffprodukt, fast schon als Statussymbol, das sich an Enthusiasten und die vermögendsten Nutzer richtet. Vorbestellungen sind ab dem 16. Oktober möglich, der Verkaufsstart ist für den 23. Oktober geplant.
iPhone 18 Pro: Apple will Fotografen anlocken

Konventioneller gestaltet, konzentrieren sich die Verbesserungen des iPhone 18 Pro und 18 Pro Max auf Fotografie und Energieeffizienz. Ihr 48-Megapixel-Fusion-Hauptsensor verfügt nun über eine variable Blende mit verschiedenen Einstellungen von f/1,48 bis f/4. Dies ermöglicht Nutzern eine präzisere Steuerung von Licht und Schärfentiefe. Apple ergänzt die Funktionen zudem um professionelle Steuerungsmöglichkeiten, mit denen sich Verschlusszeit, Weißabgleich und Blende anpassen sowie ein Histogramm direkt in der Kamera-App anzeigen lassen.
Die Videofunktionen verbessern sich ebenfalls, insbesondere durch die Einführung von 4K Dolby Vision-Zeitraffer. Hinter diesen neuen Funktionen verbirgt sich eine mittlerweile offensichtliche Strategie: Apple präsentiert das iPhone nicht mehr nur als die beste Kamera, die man immer dabei hat, sondern zunehmend als Werkzeug, das Teile der Ausrüstung von Content-Erstellern und bestimmten Profis ersetzen kann.
A20 Pro: Noch mehr Leistung… und vor allem mehr KI
Apples A20 Pro Chip, gefertigt im 2-Nanometer-Verfahren, sorgt für deutliche Leistungssteigerungen bei CPU und insbesondere GPU sowie für eine signifikant höhere Speicherbandbreite. Eine deutlich größere Vapor Chamber verhindert Leistungseinbrüche bei Überhitzung während anspruchsvoller Aufgaben wie Spielen, Videobearbeitung oder KI-Verarbeitung.
Genau darin liegt eine der größten Herausforderungen dieser Generation. Apple möchte mehr Apple-Intelligence-Funktionen direkt auf dem Gerät ausführen, ohne systematisch auf die Cloud angewiesen zu sein. Die neue Siri soll zudem eine deutlich wichtigere Rolle im Ökosystem spielen und sogar mit Apps interagieren. Nachdem Apple lange Zeit hinter der Welle generativer KI zurückzubleiben schien, will das Unternehmen nun die Leistungsfähigkeit seiner eigenen Chips in einen strategischen Vorteil verwandeln.
AirPods 5: Geräuschunterdrückung wird zugänglicher

Die AirPods 5 stellen eine weniger dramatische, aber vermutlich kommerziell bedeutsamere Weiterentwicklung dar. Apple stattet seine offenen Ohrhörer standardmäßig mit aktiver Geräuschunterdrückung aus und verspricht eine Verbesserung gegenüber der Vorgängergeneration. Live-Übersetzung und Adaptive Audio sind ebenfalls integriert, während eine höherwertige Version zusätzliche Funktionen wie kabelloses Laden und die Lautstärkeregelung direkt am Stiel bietet.
Mit einem Startpreis von 149 € in Frankreich verringert Apple schrittweise die funktionale Lücke zwischen seinen Standard-AirPods und den AirPods Pro. Für Nutzer, die In-Ear-Kopfhörer nicht mögen, aber dennoch Wert auf effektive Geräuschunterdrückung legen, könnte diese Generation eines der interessantesten neuen Produkte der Konferenz sein.
Apple Watch Series 12 und Ultra 4: Wiederherstellung rückt in den Mittelpunkt
Die wichtigsten Weiterentwicklungen der Apple Watch Series 12 und Ultra 4 konzentrieren sich auf Gesundheit und Fitness. Neue Sensoren ermöglichen eine häufigere Überwachung der Herzfrequenz und ihrer Variabilität. Apple führt außerdem „Ready“ ein, einen Erholungswert von 0 bis 10, der auf Basis von Schlaf, Vitalfunktionen, Trainingsbelastung und kürzlicher Aktivität berechnet wird. Die Uhr kann dem Nutzer daraufhin empfehlen, das Training zu reduzieren oder zu intensivieren.
Dies markiert einen bedeutenden Kurswechsel für Apple, das nun direkter in den Markt eingreift, den Garmin , Whoop und Oura seit Jahren besetzen. Die Ultra 4 geht noch einen Schritt weiter und bietet eine Akkulaufzeit von bis zu 50 Stunden bei normaler Nutzung sowie neue Audio-Intelligenz-Funktionen, die bestimmte Geräusche erkennen und über Siri zusammenfassende Informationen bereitstellen. Die Series 12 ist ab 449 € und die Ultra 4 ab 899 € erhältlich.
Eine Grundsatzrede, die in erster Linie einen Zykluswechsel markiert.
Einzeln betrachtet sind das iPhone 18 Pro, die AirPods 5 und die neue Apple Watch vor allem Weiterentwicklungen bereits ausgereifter Produktlinien. Bessere Fotos, mehr künstliche Intelligenz, präziseres Fitness-Tracking, längere Akkulaufzeit: Apple festigt sein Ökosystem, ohne die Gewohnheiten seiner Nutzer zu verändern. Das iPhone Duo ist anders. Erstmals seit Langem führt Apple eine bedeutende neue Hardwarefunktion in seine Smartphone-Reihe ein.
Das Paradoxe ist, dass Apple in Cupertino praktisch nichts Neues erfunden hat. Faltbare Bildschirme, Multitasking, Zeltmodus und der Stift sind bei der Konkurrenz bereits Standard. Die eigentliche Frage ist also, ob Apple eine seiner bewährten Strategien wiederholen kann: andere experimentieren lassen und dann eine noch nicht perfekte Technologie in ein begehrenswertes Produkt für die breite Masse verwandeln. Mit über 2.300 Euro für das Einstiegsmodell wird das iPhone Duo wohl noch nicht jedermanns faltbares Smartphone sein. Aber es könnte durchaus das Produkt sein, das diese Kategorie endgültig im Ultra-Premium-Segment etabliert.
