Die chinesische Influencerin Li Zhuofan wurde wegen Betrugs verhaftet, nachdem sie mehr als 50 Millionen Yuan (etwa 7 Millionen US-Dollar) durch den Verkauf von „Wunschkerzen“ erwirtschaftet hatte, die angeblich Liebe, Reichtum oder beruflichen Erfolg anziehen konnten.
Bekannt für seine Teilnahme an der russischen Show Der Kampf der HellseherIn ihren Online-Posts, in denen sie behauptete, über paranormale Fähigkeiten zu verfügen, gewann Li über 600.000 Follower in den chinesischen sozialen Medien. Nach ihrer Rückkehr nach China begann sie, handgefertigte Kerzen zu verkaufen, die mit Kristallen und getrockneten Blüten verziert und mit ätherischen Ölen angereichert waren. Jeder Kerze wurde eine besondere Kraft zugeschrieben.
Die Preise begannen bei 2.888 Yuan (etwa 420 US-Dollar) und konnten für bestimmte sogenannte „Dreifach-Chance“-Versionen bis zu 7.888 Yuan erreichen. Parallel dazu bot die Influencerin Online-Kurse in Wahrsagerei an und veröffentlichte Videos, die ihr Image als Hellseherin untermauerten.
Der Fall kam ans Licht, nachdem ein Kunde, der 5.888 Yuan in der Hoffnung auf mehr Kunden für sein Geschäft ausgegeben hatte, Anzeige erstattete, da die Masche erfolglos blieb. Die Staatsanwaltschaft geht von einer Betrugssumme von über 50 Millionen Yuan aus. In China kann Betrug in besonders hohem Umfang mit einer Freiheitsstrafe von mehr als zehn Jahren, Geldstrafen und der Einziehung von Vermögenswerten geahndet werden.
Der Aufstieg einer „emotionalen Komfortökonomie“
Trotz der Verhaftung kursieren weiterhin Links zu ähnlichen Kerzen im Internet. Dieses Phänomen ist Teil eines umfassenderen Booms der esoterischen Wirtschaft in China: Kristalle, Tarot, Astrologie und Tools, die künstliche Intelligenz und traditionelle Wahrsagerei kombinieren, sind attraktiv für junge Menschen, die unter starkem sozialen und beruflichen Druck stehen.
Im Januar ging ein Tool viral, das Bazi-Astrologie und von Finanzmarktdiagrammen inspirierte Charts kombinierte. Weitere ungewöhnliche Produkte sind aufgetaucht, wie etwa „Bank Erde“, die angeblich Wohlstand anziehen soll. Sogar Tempel bieten nun „gesegnete“ Getränke an, um ein jüngeres Publikum anzusprechen.
Experten warnen jedoch vor den Risiken. Laut Zhang Yong, einem Spezialisten für die psychische Gesundheit von Jugendlichen, verkaufen diese Produkte jungen Menschen, die nach Orientierung suchen, vor allem eine Illusion von Sicherheit. Er befürchtet, dass manche ihre wichtigen Entscheidungen letztendlich Vorhersagen oder Algorithmen überlassen und so die Grenze zwischen Unterhaltung und Realität verschwimmt.
Im Internet wird die Debatte hitzig geführt. Manche verurteilen es als „Steuer auf Leichtgläubigkeit“, während andere diese Praktiken als eine Form psychologischer Unterstützung verteidigen. Für viele versprechen diese Objekte mehr als nur Glück: Sie bieten zumindest vorübergehend ein Gefühl des Trostes.