Hätte Maradonas Tod verhindert werden können? Ein neuer Prozess beginnt in Argentinien.
Hätte Maradonas Tod verhindert werden können? Ein neuer Prozess beginnt in Argentinien.

Der neue Prozess um den Tod von Diego Maradona wurde am Dienstag in San Isidro, einem Vorort von Buenos Aires, eröffnet. In diesem neuen Verfahren wird erneut die mögliche Verantwortung des Ärzteteams untersucht, das den ehemaligen argentinischen Fußballstar zum Zeitpunkt seines Todes am 25. November 2020 im Alter von 60 Jahren betreute.

Sieben Beschäftigte im Gesundheitswesen stehen vor Gericht, ein achter Angeklagter befindet sich in separatem Verfahren.

Insgesamt stehen sieben Angehörige der Gesundheitsberufe in diesem Prozess vor Gericht, darunter der Neurochirurg Leopoldo Luque, die Psychiaterin Agustina Cosachov, eine Psychologin, Ärzte und Krankenschwestern. Eine achte Angeklagte, eine Krankenschwester, wird in einem separaten Verfahren angeklagt. Alle weisen die gegen sie erhobenen Vorwürfe zurück.

Im Mittelpunkt des Falles steht der Vorwurf der fahrlässigen Tötung.

Die Staatsanwaltschaft argumentiert, dass Maradonas medizinische Versorgung nach der Operation eines Hirnhämatoms schwerwiegend unzureichend war. Sie geht davon aus, dass der ehemalige Kapitän der argentinischen Nationalmannschaft während seiner Genesung zu Hause keine angemessene Nachsorge erhielt und mehrere Anzeichen einer Verschlechterung seines Zustands ignoriert wurden. Die Angeklagten werden wegen fahrlässiger Tötung angeklagt, worauf im Falle einer Verurteilung eine Freiheitsstrafe von 8 bis 25 Jahren steht.

Die Anklage beschreibt ein vermeidbares Lebensende.

Zu Beginn des Prozesses argumentierte die Anklage, Maradonas Tod sei nicht unvermeidlich gewesen. Die Staatsanwaltschaft stützte sich insbesondere auf die Erkenntnisse einer 2021 einberufenen medizinischen Kommission, die die ihm zuteilgewordene Pflege als unzureichend und fahrlässig einstufte und sogar zu dem Schluss kam, dass der ehemalige Star über längere Zeiträume ohne ausreichende Hilfe geblieben war.

Die Verteidigung argumentiert, dass Maradonas Gesundheitszustand bereits sehr schlecht sei.

Die Anwälte der Angeklagten hingegen behaupten, es sei kein Verbrechen begangen worden. Ihre Verteidigungsstrategie konzentriert sich auf Maradonas extrem labilen Gesundheitszustand, der ihrer Ansicht nach durch schwere chronische Erkrankungen sowie eine Alkohol- und Drogenabhängigkeit in der Vergangenheit stark beeinträchtigt war. Sein Tod sei ihrer Meinung nach primär auf eine äußerst komplexe medizinische Situation und nicht auf fahrlässige Vernachlässigung zurückzuführen.

Ein Prozess wurde nach einem anfänglichen juristischen Fiasko neu aufgelegt

Diese Anhörung markiert die vollständige Wiederaufnahme des Verfahrens. Ein erster Prozess hatte zwar im März 2025 begonnen, wurde aber aufgrund eines Justizskandals um eine Richterin abgebrochen, die nach ihrer umstrittenen Mitwirkung an einer Dokumentation über den Fall zurücktreten musste. Dieser Rückschlag führte zu einer weiteren erheblichen Verzögerung in einem Fall, der in Argentinien ohnehin schon äußerst heikel war.

Es werden rund hundert Zeugen erwartet.

Der Prozess wird voraussichtlich mehrere Wochen dauern. Die Anhörungen finden zweimal wöchentlich statt, und es werden fast 100 Zeugen erwartet, darunter Angehörige von Maradona und mehrere Mitglieder seines Ärzteteams. Laut Associated Press könnte ein Urteil Anfang Juni 2026 fallen, abhängig vom Verlauf der Anhörungen.

In Argentinien reicht dieser Fall weit über die juristische Ebene hinaus. Maradona ist nach wie vor eine fast heilige Figur, Weltmeister von 1986 und ein absolutes Volkssymbol. Die Frage, die diesen Prozess überschattet, ist einfach und brisant: Hätte Diego Maradona gerettet werden können? Diese Frage muss die argentinische Justiz nun beantworten – in einem Fall, in dem nationale Emotionen, medizinische Verantwortung und das Andenken an eine Legende eng miteinander verwoben sind.

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